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BSW: Nastic verlässt Vorstand und Partei

Foto: Georg Wendt/dpa
Zaklin Nastic (Hamburg, 21.12.2024)

Berlin. BSW-Vorstandsmitglied Zaklin Nastic ist aus der Partei ausgetreten. Das bestätigte eine Parteisprecherin. In einem Austrittsschreiben, das dpa am Dienstag vorlag, übt Nastic, die als Bundestagsabgeordnete 2023 gemeinsam mit Sahra Wagenknecht und anderen die Linkspartei verlassen und 2024 die neue Partei gegründet hatte, scharfe Kritik am Kurs des BSW und insbesondere an der Kovorsitzenden Amira Mohamed Ali. Nastic war bei der Bundestagswahl 2025 Spitzenkandidatin des Hamburger BSW.

Mohamed Ali stehe zunehmend für »katastrophale Wahlergebnisse, schlechte Ausstrahlung und miserable Außenwirkung in sozialen Medien«, schreibt Nastic. Sie verlasse das BSW wegen »Katzbuckelei« etwa vor Medien, wegen der sie damals auch die Linkspartei verlassen habe, so Nastic weiter. Wagenknecht wird von Nastic in dem Schreiben vorgeworfen, »Putin mediengerecht ›einen Kriegsverbrecher‹« genannt zu haben. Die BSW-Spitze setze »auf das Lob von NATO-Medien«, die »Russland und China zu Hauptfeinden erkoren haben«. Außerdem habe die Parteispitze versäumt, sich an den »Interessen der arbeitenden Bevölkerung und deren Friedenssehnsucht zu orientieren«. Es dränge sich der Eindruck auf, dass man es »sich mit den etablierten Parteien nicht verderben will«.

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Nastic kritisiert eine ihrer Ansicht nach falsche außenpolitische und fehlende friedenspolitische Ausrichtung. Personen, »die für punktuelle und pragmatische Zusammenarbeit mit Friedensbewegten in der AfD geworben« hätten, seien nicht in die Partei aufgenommen worden. Das BSW habe mit dafür gesorgt, »dass die Friedensbewegung klein und gespalten blieb«, behauptet Nastic weiter. Wer »strategisch nicht begreift, dass man bei zentralen Fragen wie Frieden und Krieg auch über politische Lagergrenzen hinweg zusammenarbeiten muss«, habe »weder Rosa Luxemburg noch Willy Brandt, weder moralische Prinzipien noch pragmatische Strategie verstanden«. Bei den Regierungsbildungen in Brandenburg und Thüringen »mit den extremistischen Aufrüstern« in SPD und CDU sei »mit der doch eher gemäßigten AfD nicht einmal verhandelt« worden. In dem Schreiben lobt sie auch explizit den AfD-Kochef Tino Chrupalla, »der den Mut hat, den Abzug der US-Soldaten aus Deutschland zu fordern«, während die BSW-Spitze »hier nur herumeiert«.

In dem Austrittsschreiben beklagt Nastic außerdem, dass »kampferprobte Mitstreiter von Sahra Wagenknecht hin- und herausgehalten« worden seien, »als sie BSW-Mitglied werden wollten«. Erst als bestimmte »Mehrheiten abgesichert waren, um den innerparteilichen Nepotismus zu erhalten, ging eine Türspalte auf«. Aber da sei es längst zu spät gewesen »für einen großen gesellschaftlichen Aufbruch durch das BSW«. (dpa/jW)

junge Welt

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Erschienen am 01.04.2026, Inland

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