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24.03.2026
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Wie soll die Förderung des Spitzensports funktionieren?
Die künftig dafür zuständige neue Agentur muss unabhängig sein, fordert Otto Fricke
Mitte vergangener Woche sickerten erste Details der überarbeiteten Fassung des Referentenentwurfs für ein Sportfördergesetz aus dem Hause von Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, durch. Liegt Ihnen das Papier schon vor?
Wir haben es am Mittwoch erhalten. Auch wenn eine detaillierte Sichtung der eingebrachten Änderungen noch aussteht, zeigt ein erster Blick, dass die Optimierungsvorschläge des Sports in Teilen aufgenommen wurden. Dies begrüßen wir als Ergebnis konstruktiver Gespräche in den vergangenen Wochen ausdrücklich. Im Hinblick auf die Governance in der geplanten Spitzensportagentur führen die Änderungen, in erster Linie bezüglich des Stiftungsrats, zu einer Annäherung an die geforderte Augenhöhe des Sports mit der Politik. Trotz der Verbesserungen sehen wir aber weiterhin Optimierungspotential, das wir dem Bundeskanzleramt nach eingehender Prüfung detailliert benennen werden. Wir wollen nicht das schnellstmögliche, sondern das bestmögliche Sportfördergesetz.
Unter anderem bemängelte der organisierte Sport, dass im Text des ersten Gesetzentwurfs, den das Staatsministerium im Herbst vorgelegt hatte, ein klares Bekenntnis zur Autonomie des Sports fehlte. Zudem war der entscheidende Passus nicht enthalten, wonach Spitzensport-Förderung für den Staat künftig zur verpflichtenden Aufgabe wird, statt eine freiwillig übernommene zu bleiben wie bisher. Wurde das korrigiert?
Die Autonomie ist berücksichtigt. Andere Fragen, bei denen inhaltlich zwar Einigkeit besteht, die aber noch nicht im Gesetzestext formuliert sind, müssen nachverhandelt werden.
Im Zentrum des Gesetzes steht die unabhängige Agentur. Sie soll 2027 an den Start gehen, bis 2031 mit zirka 50 Leuten voll arbeitsfähig sein und zum zentralen Steuerelement der Unterstützung des Spitzensports werden, der in diesem Jahr vom Bund mit fast 350 Millionen Euro gefördert wird. Wie man hört, soll der Stiftungsrat, der unter anderem den Vorstand der Agentur bestellt, von fünf auf neun Mitglieder erweitert werden. Damit bekäme der Sport drei statt wie bisher vorgesehen nur einen Sitz. Ist das aus Ihrer Sicht ein Fortschritt?
Ein Fortschritt sicherlich, aber noch immer fallen die Mehrheitsverhältnisse deutlich zugunsten der Politik aus. Auch da sind weitere Nachverhandlungen notwendig. Eine Zweidrittelmehrheit der Politik gegenüber dem Sport im Stiftungsrat ist jedenfalls noch keine Augenhöhe.
Trotzdem dürfte der Deutsche Olympische Sportbund gehörig an Macht einbüßen?
Das kann man so sehen. Doch die entscheidende und weitreichendere Frage lautet: Wohin und an wen wird diese Macht übergeben? Es muss sichergestellt sein, dass diese Agentur, insbesondere ihre zwei Geschäftsführer oder Geschäftsführerinnen, unabhängig arbeitet, dass sie nicht von der Politik dominiert wird und zugleich nicht auf die Expertise des DOSB und der Fachverbände verzichtet, auch wenn klar ist: Das letzte Wort hat am Ende der Geldgeber, also der Steuerzahler.
Alexander Dobrindt als Bundesinnenminister von der CSU und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sollen zuletzt bei Staatsministerin Schenderlein insistiert haben, die Agentur unterm DOSB-Dach anzusiedeln. Vergeblich, wie es scheint. War dieser Vorschlag aus Bayern eine Volte zugunsten des DOSB, um so im Gegenzug bei der Wahl des nationalen Kandidaten für eine Olympiabewerbung München zum Erfolg gegen Berlin, Hamburg und Rhein-Ruhr zu führen?
Dieser Zusammenhang ist konstruiert. Und unabhängig davon ist doch entscheidend, was Gutes für den Sport herauskommt. Die Stadt oder Region, mit der wir beim Internationalen Olympischen Komitee ins Rennen um die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Sommerspielen gehen wollen, wird nicht von mir oder in der DOSB-Zentrale bestimmt. Darüber entscheiden am 26. September auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden entsprechend der Satzung die Delegierten der olympischen Fachverbände und die Mitglieder des Präsidiums.
Otto Fricke ist Vorstandsvorsitzender beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Er war zuletzt bis 2025 Bundestagsabgeordneter für die FDP.
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