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Nachschlag: Barmherzigkeit

Charité (Staffel 1, Folge 1) | Donnerstag, 22.30 Uhr, HR

Foto: Nik Konietzny/HR/ARD
Student Tischendorf (später Nazi) pflegt Patientin Lenze (später Pflegerin)

Soll keiner sagen, dass aus Deutschland nur schlechte Produktionen kommen. »Charité« war groß in ihren ersten drei Staffeln. Staffel 3 erzählt die Geschichte vom Sommer 1961: Mauerbau, Polio, die legendären Rapoports, der charismatische Prokop. Differenziert wird die politische, vor allem gesundheitspolitische Lage beleuchtet. Wie man es noch wenige Jahre zuvor bei der ARD kaum hätte passieren lassen. Staffel 2 hat den berühmten Sauerbruch während der Nazizeit, sie war die schwächste der drei starken Staffeln. Staffel 1 war zu früh am Platz. Die Skepsis Virchows, Behrings Missgunst gegen Ehrlich, der pathologische Ehrgeiz Kochs, mit tödlichen Folgen nach unzureichender Testung eines Tuberkulose-Vakzins, das alles wurde drei Jahre vor der Pandemie ausgestrahlt. Hätte man die Finger davon gelassen bei Wissen um das Politikum Corona? Eine vierte Staffel, die nach Kaiserreich, Nazizeit und DDR von der Jetztzeit (Drosten zum Beispiel) handelt, wurde nicht gedreht. Man trat die Flucht in die Zukunft an. (fb)

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.03.2026, Seite 14, Feuilleton

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