Gegründet 1947 Sa. / So., 21. / 22. März 2026, Nr. 68
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 21.03.2026, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Barmherzigkeit

Charité (Staffel 1, Folge 1) | Donnerstag, 22.30 Uhr, HR
1_F1_Charite.jpg
Student Tischendorf (später Nazi) pflegt Patientin Lenze (später Pflegerin)

Soll keiner sagen, dass aus Deutschland nur schlechte Produktionen kommen. »Charité« war groß in ihren ersten drei Staffeln. Staffel 3 erzählt die Geschichte vom Sommer 1961: Mauerbau, Polio, die legendären Rapoports, der charismatische Prokop. Differenziert wird die politische, vor allem gesundheitspolitische Lage beleuchtet. Wie man es noch wenige Jahre zuvor bei der ARD kaum hätte passieren lassen. Staffel 2 hat den berühmten Sauerbruch während der Nazizeit, sie war die schwächste der drei starken Staffeln. Staffel 1 war zu früh am Platz. Die Skepsis Virchows, Behrings Missgunst gegen Ehrlich, der pathologische Ehrgeiz Kochs, mit tödlichen Folgen nach unzureichender Testung eines Tuberkulose-Vakzins, das alles wurde drei Jahre vor der Pandemie ausgestrahlt. Hätte man die Finger davon gelassen bei Wissen um das Politikum Corona? Eine vierte Staffel, die nach Kaiserreich, Nazizeit und DDR von der Jetztzeit (Drosten zum Beispiel) handelt, wurde nicht gedreht. Man trat die Flucht in die Zukunft an. (fb)

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Mehr aus: Feuilleton