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Aus: Ausgabe vom 19.03.2026, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
Richtungsstreit in der Gewerkschaft

Akman und Verdi für weitere Güteverhandlung

Es ist mittlerweile der fünfte Versuch von Verdi, ihren langjährigen Gewerkschaftssekretär Orhan Akman loszuwerden. Eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht am 12. März endete mit dem Vorschlag der vorsitzenden Richterin, den Konflikt von einem Gütegericht vermitteln zu lassen. Denn klar war, egal wie das Gericht entschieden hätte, der Fall wäre an die nächste Instanz gegangen.

Diesmal ging es einerseits um eine Reise als Rewe-Aufsichtsrat nach Ungarn und andererseits um Entgeltfortzahlungen. Verdi wirft Akman umfangreiche Fehlzeiten mit nur kurzen Unterbrechungen vor. In bezug auf die Reise nach Ungarn habe Akman zu hohe Arbeitszeiten und Zuschläge geltend gemacht. Rechtsanwältin Nathalie Oberthür, die Verdi vertrat, verwies etwa auf Parlamentsbesuch und Bootstour während des dreitägigen Aufenthalts. Schließlich warf sie dem Gewerkschafter bewusste Täuschung vor, weil er von einer Sitzung sprach, wo es um eine Reise ging.

Akman wies den Vorwurf zurück und betonte den Sinn der Reise auch vor dem Hintergrund der bevorstehenden Parlamentswahlen in Ungarn. Es gehe darum, den Markt kennenzulernen, um später als Aufsichtsratsmitglied die richtige Entscheidung treffen zu können. Nach der Wahl könnte möglicherweise die Steigerung der Sondersteuern für ausländische Unternehmen wieder ein Thema werden.

Die Richterin konstatierte, dass die hohen Krankenzeiten auf ein belastendes Arbeitsverhältnis zurückgingen, und wollte von Akman wissen, warum er dennoch weiter bei Verdi arbeiten möchte. Akman verwies auf den Konflikt um seine Kandidatur für den Verdi-Bundesvorstand im Jahr 2022 und um die inhaltliche Ausrichtung der Gewerkschaft. Anwältin Oberthür hingegen erklärte, man würde das Arbeitsverhältnis gern vernünftig führen, aber der Kläger sei nie da. Es hätte viele Gespräche über mögliche Positionen gegeben. Akman erwähnte eines kurz vor seiner letzten Kündigung, für das Verdi eine Liste offener Stellen vorbereitet und während des Gesprächs alle Positionen gestrichen habe, auf denen Verdi ihn lieber nicht sehen wolle. Am Ende blieb die tarifpolitische Grundsatzabteilung. Akman habe Interesse bekundet. Kurz danach kam die Kündigung.

Klar wurde auch: Nach einer Kündigung stünden die Berufsaussichten für ihn als konfliktfähigen Gewerkschafter schlecht. Am Ende bliebe ihm, auf die Arbeitgeberseite zu wechseln oder zu einer christlichen Gewerkschaft außerhalb des DGB, so Akman. Das käme aus politischen Gründen nicht für ihn in Frage. Vor diesem Hintergrund fordert Akman für eine gütliche Einigung einen höheren sechsstelligen Betrag. Verdi bietet sieben Monatsgehälter.

Beide Seiten erklärten sich schließlich zu einem weiteren Vermittlungsversuch bereit, der voraussichtlich in ein paar Monaten stattfindet. (sk)

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