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Aus: Ausgabe vom 01.02.2019, Seite 2 / Ausland
Ungarn

Audi gibt nach

Ungarn: Streik in Györ beendet. Auswirkungen auf Lieferkette halten an
Von Matthias István Köhler
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Gewerkschaftsmitglieder demonstrieren am Dienstag auf dem Werksgelände von Audi in Györ

Die Arbeiter im ungarischen Audi-Motorenwerk in Györ haben ihren einwöchigen Streik erfolgreich beendet. Das deutsche Unternehmen, das zur Volkswagen-Gruppe gehört, habe unter anderem der geforderten Lohnerhöhung um 18 Prozent für die nächsten 15 Monate zugestimmt, teilte die Unabhängige Gewerkschaft bei Audi Hungaria (AHFSZ) am Mittwoch abend mit. Mehr als 10.000 Beschäftigte hatten vergangene Woche in dem Werk die Arbeit niedergelegt, weil sie mit den seit September laufenden Lohnverhandlungen unzufrieden waren.

Eine Gruppe von neun Gewerkschaftern habe den Streik organisiert, sagte der stellvertretende AHFSZ-Vorsitzende György Csalogany gegenüber der sozialdemokratischen Tageszeitung Nepszava am Mittwoch abend. »Wir hatten Angst, weil vor uns so etwas noch niemand in Ungarn gemacht hat.« Aber die Arbeiter hätten ihnen bis zum Ende den Rücken gestärkt.

Im Stammwerk in Ingolstadt hingegen, wo seit Wochenbeginn die Produktion stillsteht, weil die Motoren aus Györ fehlen, werden die Bänder voraussichtlich erst am Montag wieder laufen. Für den heutigen Freitag wurde angekündigt, dass auch im Audi-Werk in Neckarsulm die Arbeit ruhen werde. Auch im Porsche-Werk in Leipzig und im Volkswagen-Werk in Bratislava mussten bereits Schichten abgesagt werden, wie ein Konzernsprecher laut dpa in Wolfsburg mitteilte.

Aber nicht nur in Ingolstadt, Leipzig und Bratislava konnte wegen des Streiks in Györ nicht weitergearbeitet werden. Auch in den Zuliefererbetrieben rund um das Audi-Motorenwerk kam die Produktion zum Stillstand. Das berichtete das ungarische Webportal napi.hu am Mittwoch. Wegen dieser Zulieferbetriebe könnte der Abschluss der Lohnverhandlungen weitreichende Folgen für den Volkswagen-Konzern in Ungarn und sogar die gesamte Region haben. Denn die dort Beschäftigten, die unter anderem Autositze herstellen, erwarten ähnliche Löhne wie im Werk in Györ.

Unterdessen haben die Beschäftigten bei anderen deutschen Konzernen in Ungarn bereits ihre Streikbereitschaft signalisiert. Sowohl bei Bosch im ungarischen Hatvan und auch bei Thyssen-Krupp in Jaszfenyszaru seien die Beschäftigten mit ihren Löhnen unzufrieden. Erste Schritte für einen Warnstreik seien bereits eingeleitet worden, wie ein Vertreter der Gewerkschaft Etmosz am Mittwoch sagte.

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