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16.03.20261 Leserbrief
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Die unerwartete Revolution im Iran
Was steckt hinter den Kriegen, die derzeit auf unseren Fernsehbildschirmen und sonstigen Geräten stattfinden? Mit einem Wort: Geld. Betrachten wir die Ereignisse in Venezuela und lassen wir einmal die Entführung des Präsidenten und seiner Frau oder gar die Einsetzung der Vizepräsidentin außer acht. Dann bleiben noch die Tonnen von Öl, die entwendet und in die Vereinigten Staaten verschifft wurden.
Bei Kolonialkriegen geht es immer um nationale Ressourcen. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Denn Bodenschätze und Rohstoffe sind die Kriegsbeute, mit der Unternehmen ihren Reichtum anhäufen. Kriege dienen auch dem Macht- und Egotrip der Kriegsherren, aber am Ende geht es immer um Geld.
Betrachtet man die Geschehnisse im Iran, sollte es nicht wundern, wenn am Ende eine große Menge Rohöl verschwindet. Schließlich sind die Angreifer auch hier in erster Linie daran interessiert. Ihnen geht es nicht um die Menschen im Iran, nicht einmal die Staatsführung, sondern um die Bodenschätze des Landes. Gäbe es im Nahen Osten nicht diese ungeheuren Ressourcen, würde sich in der gesamten Region kein einziger US-Amerikaner blicken lassen. Ganz zu schweigen von den US-Konzernen. Denn worum geht es hier? Es geht ums Geld.
Während im ganzen Nahen Osten Bomben und Raketen explodieren, die furchtbare Verwüstungen anrichten, fragt man sich, wie es weitergehen wird. Diese Frage stellt sich auch vor dem Hintergrund der Ereignisse, die sich im Iran vor mehr als siebzig Jahren zugetragen haben. Genauer gesagt im Jahr 1953, als Agenten des US-Geheimdienstes CIA und des britischen Geheimdienstes einen Plan ausheckten und umsetzten, um den demokratisch gewählten iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh (1882–1967) durch einen Putsch zu stürzen. Er wurde entmachtet, weil er die Verstaatlichung der riesigen Ölreserven seines Landes unterstützte. Im Auftrag von US-amerikanischen und britischen Ölkonzernen ließen Agenten Mossadegh durch eine Anordnung von Schah Reza Pahlevi, ihrer Marionette in Persien, unter Hausarrest stellen.
Dieser von ausländischen Mächten durchgeführte imperialistische Regimewechsel, bei dem ein willfähriger Herrscher eingesetzt wurde, der das Volk durch Folter und Gewalt unterdrückte, war letztlich der Grund für die iranische Revolution von 1979. Sie zwang den Schah ins Exil und führte zum Aufstieg der Herrschaft der islamischen Geistlichen. Dies zeigt, dass der Sturz einer Regierung, wie er 1953 erfolgte, auch Jahre später noch unerwartete Folgen haben kann. Wie die Geschichte lehrt, kann ein von außen erzwungener Regierungswechsel zur Geburtsstunde von Revolutionen werden. Man bekommt nicht immer das, was man sich wünscht.
Übersetzung: Jürgen Heiser
Bereits am 30. Juni 2007 beschrieb Mumia Abu-Jamal in seiner Kolumne »Marsch auf Teheran«, dass ein »Regime-Change« in Teheran ein von Washington und Tel Aviv lange gehegter Plan ist. Ein »militärischer Schlag« gegen die Islamische Republik Iran sei »unvermeidbar«, zitierte Abu-Jamal die »Meinungspresse der Neocons« unter dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Trotz des Desasters im Irak mehrten sich die Anzeichen, dass es in den USA und Israel Befürworter eines solchen Schrittes gibt. Ziele »in der iranischen Atomindustrie und -forschung« seien bereits ausgewählt. Zwölfeinhalb Jahre später, in der Nacht vom 2. zum 3. Januar 2020, ließ US-Präsident Donald Trump kurz vor Ende seiner ersten Amtszeit den iranischen General Kassem Soleimani und sieben weitere Menschen töten. Der Drohnenangriff von US-Spezialkräften nahe dem Flughafen von Bagdad habe »die Region einen Schritt näher an einen heißen Krieg« gebracht, so Mumia drei Tage danach über die blutige Warnung Washingtons an die schiitischen Mehrheiten im Irak und im Iran. Den »völkerrechtswidrigen Meuchelmord« sah Mumia damals nicht als »das Ende«, von dem Trump sprach, sondern als »den Anfang einer Entwicklung, deren dramatische Folgen jetzt noch nicht abzusehen sind«. (jh)
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Onlineabonnent*in Franz Schoierer 16. März 2026 um 14:38 Uhr»Dies zeigt, dass der Sturz einer Regierung, wie er 1953 erfolgte, auch Jahre später noch unerwartete Folgen haben kann. Wie die Geschichte lehrt, kann [!] ein von außen erzwungener Regierungswechsel zur Geburtsstunde von Revolutionen werden. Man bekommt nicht immer das, was man sich wünscht.« Zwischen 1953 und der Revolution 1979 liegen immerhin 26 Jahre Unterdrückung durch die Pahlevi-Monarchie. Was Mumia Abu-Jamal da zusammenkonstruiert, ist reines Wunschdenken. Gäbe es diesen behaupteten Zusammenhang und Automatismus, könnten die Völker imperialistischen Aggressionen beruhigt zuschauen, weil es ja »Geburtsstunden von Revolutionen« sein könnten (!). Es wäre ein fataler Fehler, wenn sich das iranische Volk solchen Illusionen hingeben würde. Was man bei einem imperialistischen Regime-Change verlieren kann, sieht man gerade in Syrien. Oder auch in Libyen, es kann Jahrzehnte dauern, bis die Menschen dort zumindest wieder das kulturelle und materielle Niveau erreichen, das sie vor dem Regime-Change hatten.
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