Zum Inhalt der Seite
Popkultur

Nach wie vor Krise

Zwei Extreme prägen derzeit die Popkonzertbranche. Der Konzertkartenanbieter Ticketmaster stoppte den Vorverkauf für die US-Stadiontour von Taylor Swift, weil zu viele Fans ein Ticket erwerben wollten. Andererseits sagen deutsche Interpreten wie Tocotronic, Das Paradies oder Kasalla ihre Konzerte wegen zu geringer Kartenverkäufe ab.

Dem Präsidenten des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow, zufolge erwecken die wenigen ausverkauften Veranstaltungen einen falschen Eindruck: »Alle erst in diesem Jahr neu geplanten Konzerten und Tourneen mit nationalen Künstlern, laufen weitaus schlechter als vor der Krise.«

Außerdem fehlen laut Michow nicht nur die Fans, sondern auch Fachkräfte im Bereich der Ton- und Lichttechnik oder beim Aufbau- oder Sicherheitspersonal. »Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass viele aufgrund der in den letzten drei Jahren andauernden Perspektivlosigkeit der Veranstaltungswirtschaft in andere Branche abgewandert sind.«

Der Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt stimmt Michow im Hinblick auf die halbvollen Säle zu. Immer weniger Menschen gehen auf Konzerte und verbringen ihre Freizeit zunehmend passiv, wie er mitteilt. »Gründe hierfür sind zahlreich und reichen von einem attraktiven Medienangebot, über die Nachwirkungen von Corona. Aktuell kommt noch die finanzielle Unsicherheit dazu.«

Der Psychologe Leon Windscheid hingegen meint, der Mensch sei eine hypersoziale Spezies, die es seit rund 300.000 Jahren gebe. Digitalisierung begleite die Gesellschaft hingegen erst seit ein paar Jahrzehnten. Gegenüber dpa sagte er: »Ich finde, wenn man jetzt so pessimistisch auf etwas guckt, was seit Jahrtausenden Kulturgut ist, dann redet man etwas kaputt, was ein Kernbedürfnis des Menschen ist.« (dpa/jW)

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 28.12.2022, Seite 10, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!