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»Flüchtlinge fressen« abgesagt

Es gab ein paar Verdauungsprobleme.

Die sympathische Idee des Künstlerkollektivs »Zentrum für politische Schönheit«, Flüchtlinge Tigern zum Fraß vorzuwerfen (in einem extra dafür gebauten Käfig), statt sie im Mittelmeer ertrinken zu lassen, stieß bei Berliner Behörden auf Unverständnis. Das Bezirksamt Mitte bemängelte, dass von »Flüchtlingen« statt »Geflüchteten« oder »Flüchtenden« gesprochen wurde und fand die Wortwahl etwas genderchauvinistisch.

Es gab aber noch mehr ernsthafte Einwände. Trotz tierschutzrechtlicher Unbedenklichkeit ist Tigerkäfighaltung an sich problematisch. Sie ist nicht artgerecht. Es besteht der dringende Verdacht, dass Käfige, Zoos und Zirkusse eine menschliche Erfindung sind und in der freien Natur so gut wie nicht vorkommen. Sie beeinträchtigen das Wohlbefinden der Tiere erheblich.

Dann waren da noch die Probleme mit den Geflüchteten selbst. Viele von ihnen besitzen weder einen Impfpass noch eine Gesundheitsakte, von einem Zahnarztheft ganz zu schweigen. Fehlende Stempel hätten eine ernsthafte gesundheitliche Gefährdung der Tiere bedeuten können. Eine artgerechte Nahrungsaufnahme konnte nicht garantiert werden. Auch ist der CO2-Fußabdruck einiger Geflüchteter recht undeutlich.

Das Konzept wäre bei Gesundheits- und Umweltamt nicht genehmigungsfähig, befand das Bezirksamt und meinte, alternativ könnten Andrea Nahles’ 80-Cent-Jobs-Pläne für Asylbewerber umgesetzt werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.06.2016, Seite 10, Feuilleton

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