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Größte Helden der Kulturgeschichte. Platz 3: Shaun das Schaf

Von Hagen Bonn

Ein Anarcho-Schaf im Fernsehen, das uns seine Abenteuer ohne Sprache erzählt! Und das auf einem walisischen Bauernhof mit einem Bauern (aha) lebt, der den IQ eines Teelichtes hat, erobert seit 2007 die Kinder- und immer mehr auch die Erwachsenenherzen. Zu Recht.

Die Protagonisten sind zuvörderst Schafe: das dicke Schaf, Mama Schaf, Timmy, das Baby-Schaf, und halt die Wollgenossen aus der zweiten Reihe. Shaun selbst bekommt ausgerechnet den Hütehund Bitzer als Sidekick beigestellt, wenn es darum geht, die Ordnung des Hofes wahlweise zu zerlegen oder vor dem Untergang zu retten. Das ist nicht immer einfach, wenn man einen ewig wütenden Stier zum Gegner hat. Oder den Ziegenbock, der am liebsten alles frisst. Auch Kloschüsseln sind gefährlich. Vergessen wir bitte nicht die drei blöden Schweine! Eine Bruderschaft der Fieslinge, gegen die sich Klaus Kinski ausmacht wie Freddy Quinn. Oder hieß der Krüger?

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Egal. Wer das noch nie gesehen hat ... dem fehlen unter Umständen wichtige Anleitungen zur lustvollen Untergrabung der Ordnung. Der Bauer kriegt davon natürlich nichts mit. Der duscht oben, wenn im Erdgeschoss seine Schafe den Kühlschrank entern oder im Wohnzimmer Horrorfilme gucken. Als einmal Bitzer, der Hütehund, gegen einen Roboterhund ersetzt werden soll, mutiert der Blechkollege schnell zum Terminator, was die Genossen gewohnt nüchtern zum Abwehrkampf aufruft. Am Ende wir natürlich alles gut.

Alles geht auf Anfang zurück. Aber die Erkenntnis, dass die Summe all der Streiche irgendwann alles umwälzen muss, dass demnächst der Bauer Gras frisst und die Schafe ins Haus ziehen, hat tief in mir gewurzelt. Und übrigens bin ich sowieso der Meinung, dass das Partizip »gewurzelt« viel zu selten Verwendung findet. Määähhh!

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.02.2016, Seite 11, Feuilleton

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