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09.01.2014
- → Feuilleton
Fortgeschritten kommunistisch
Die New York Review of Books gehört zu den wenigen Presseorganen in den USA, die sich der Kriegspropaganda der Bush-Regierung verweigerten. In ihrer Dezember/Januarausgabe befaßt sich die vor über fünfzig Jahren gegründete Zeitschrift mit zwei Büchern und einen Film über Donald Rumsfeld. Autor Mark Danner hatte die Folterpraktiken von Abu Ghraib publik gemacht. In der FAZ (31.12.2013) erinnerte sich Robert Silvers, der heute 84jährige Gründer und Chefredakteur des Literaturmagazins: »Die Bush-Regierung wiederholte ständig die Behauptung, daß es Massenvernichtungswaffen in der Hand Saddam Husseins gab. Wir fragten die Atomexperten, die wir kannten, und Beamte der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien, ob das stimmen könne. Ihre Auskünfte haben wir dokumentiert, weil die New York Times und andere Zeitungen behaupteten, sie hätten Belege für Massenvernichtungswaffen im Irak. Warum waren wir gegen den Irakkrieg? Weil wir alle diese Informationen hatten. Der Kriegsgrund war haltlos.« Ein weiterer Artikel der New York Review of Books erinnert an George Orwells Aufzeichnungen über den Spanischen Bürgerkrieg. In seinem 1938 erschienenen Buch »Mein Katalonien« schreibt der spätere Autor von »1984« und »Farm der Tiere«, der auf Seiten der republikanischen Truppen gekämpft hatte, von Spitzelaktivitäten sowjetischer Agenten. Vor und nach seiner Zeit in Spanien stand er allerdings vor allem unter der Beobachtung des US-Geheimdienstes. Ein Dokument der heimischen Spionageabwehr bezeichnete ihn als einen Mann mit »fortgeschritten kommunistischen Ansichten«. (jW)
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