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Kampf gegen Abschiebung

Jahrelang hat Wiltrud Pohl gegen Abschiebung gekämpft. Einige der Flüchtlinge haben nach beharrlichen Kämpfen jetzt, nach mehr als einem Jahrzehnt, endlich eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland. Sie müssen nicht mehr fürchten, nachts von der Polizei aus dem Bett gerissen zu werden, wie etwa die Familie Naeem aus Pakistan. Einst hatten der Familienvater und sein ältester Sohn mitten im Winter barfuß morgens um fünf Uhr bei Pohl vor der Tür gestanden. In Panik waren sie durch die Hintertür ihrer Wohnung vor den Polizisten zu der Sozialaktivistin geflüchtet. Naeems sind voll integriert: Eine ihrer Töchter macht Abitur, die zweite eine Friseurausbildung, zwei Söhne lernen Bürokaufmann und Altenpfleger. Doch Arbeitsverbote und jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen um den Aufenthalt haben die Familie in Schulden gestürzt: 30000 Euro für Gerichts- bzw. Anwaltskosten!

Der alleinerziehenden serbischen Mutter von zwei Kindern Jasmina Zejnelovic, für die sich Pohl ebenso seit Jahren einsetzt, droht jetzt die Abschiebung, weil ihre Kinder volljährig werden. Die damals 13jährige Meliha Zejnelovic hatte unter Tränen gesagt, sich das Leben nehmen zu wollen, falls sie aus Deutschland wegmüsse. »Nimmt denn dieser Terror der Politiker kein Ende?«, fragt Pohl. Für Jasmina Zejnelovic habe sie immer wieder Arbeitsstellen gesucht und gefunden, aber sie habe nicht arbeiten dürfen – was man ihr jetzt zum Vorwurf mache. »Nicht nur die Abschiebung muß ausgesetzt werden, sondern die Politiker, die das jahrelange Arbeitsverbot zu verantworten haben, müssen persönlich die für die Familie aufgewendete Sozialhilfe zurückzahlen«, fordert Pohl.


(düp)
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Erschienen in der Ausgabe vom 27.12.2012, Seite 3, Schwerpunkt

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