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Trintignants Liebe

Am Donnerstag läuft der neue Film von Michael Haneke an. Er heißt »Liebe« und handelt vom Umgang einer Klavierlehrerin und ihres Mannes mit Krankheit, Alter und Tod, gespielt von Jean-Louis Trintignant (81) und Emanuelle Riva (85). Ursprünglich wollte Haneke den Film »La musique s’arrète« (Die Musik hört auf) nennen. Doch das sei ihm dann »zu symbollastig« gewesen, sagte der 70jährige Regisseur dapd. Bei einem gemeinsamen Mittagessen habe Trintignant dann gesagt: »Der Film handelt doch von Liebe, warum nennst du ihn nicht ›Liebe‹?« Im Film erleidet Anne (Emmanuelle Riva) einen Schlaganfall. Ihr Ehemann ­George (Jean-Louis Trintignant) pflegt sie zu Hause, obwohl er eigentlich mit der Aufgabe überfordert ist. Im Zusammenhang mit dieser Thematik habe ihm der Namensvorschlag »Liebe« gefallen, sagte Haneke. »So ein Titel ist nur möglich eben in der ungewöhnlichen Konstellation. Eine sogenannte normale Liebesgeschichte ›Liebe‹ zu nennen, ist ein bißchen kokett.«

Geschrieben habe er das Drehbuch für den Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant, sagte Haneke. Seit er Trintignant in »Und immer lockt das Weib« (1956) an der Seite von Brigitte Bardot gesehen habe, zähle der Schauspieler zu seinen Favoriten. Ähnlich wie Marlon Brando strahle er ein Geheimnis aus, »das man nicht restlos entschlüsseln kann«. Hinzu käme Trintignants warmherzige Art: »Diese Wärme strahlt kaum jemand aus.«


Trintignant erzählte der FAZ am Sonntag, daß er die Liebe seines Lebens mit einer Deutschen gefunden habe. »Das war vor 20 Jahren, und sie war das genaue Gegenteil von Brigitte Bardot«. Die Frau sei sehr hager gewesen und habe ihn ständig herumkommandiert. »Und eines Tages hat sie mich für eine andere Frau verlassen.« Verbittert sei er darüber aber nicht gewesen: »Sie hat mir vieles beigebracht, was eine tiefe Liebesbeziehung ausmacht«. Über seine Beziehung zu Bardot in jungen Jahren sagte er, es sei vielleicht Begehren, aber keine Liebe gewesen. Und heute sei sie eine »alte, sehr müde Dame im Rollstuhl«. (dapd/jW)
junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.09.2012, Seite 13, Feuilleton

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