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Folk

Helles Licht

Richard Thompson spielte live in Dortmund

Foto: Panama Pictures/IMAGO
Händchen für Melodien und Hooks: Richard Thompson

Richard Thompsons Konzert im ausverkauften Dortmunder Piano ist ein Lied alt, da leitet er auf seiner Lowden-Akustikgitarre meinen Lieblingssong ein – »Beeswing«. Das Intro: ein Gedicht in fünf Griffen. Der Song: eine Tragödie in fünf Strophen. Die Geschichte: ein Roman vom Scheitern einer rebellischen Freiheitsillusion und zugleich ihrer überdauernden Strahlkraft. Die Heldin: »A rare thing / Fine as a bee’s wing / So fine a breath of wind might take her away«. Sie lässt sich nicht vereinnahmen und bezahlt dafür am Ende. »And they say her flower is faded now / Hard weather and hard booze / But maybe that’s just the price you pay / For the chains you refuse.« Dazu eine Melodie, so schön, dass es schmerzt. Dem Erzähler bleibt nur mehr die Erinnerung: Wehmut und Sehnsucht: »If I could just taste / All of her wildness now.«

Im Grunde müsste ich jetzt eine Runde um den Block gehen. Aber es geht schon weiter mit dem Gitarrenfeuerwerk »Turning of the Tide«. Eine Saite reißt, aber the song must roll on. Dann ist endlich Pause – ausatmen. Thompson muss die neue Saite selbst aufziehen. Zwar ist der mittlerweile 77jährige legendär, seit er den schottisch-englischen Folk in den späten 60ern und frühen 70ern mit Fairport Convention für Rockelemente geöffnet hat, aber kommerziell richtig erfolgreich war Thompson vor allem solo nie.

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Weiter geht’s. 20 Songs hat die Setlist an diesem Samstagabend – sie reicht von »Meet on the Ledge« (1968) über Beeswing (1994), auch zwei Songs eines neuen, im Oktober erscheinenden Albums sind darunter. Thompson und seine Gitarre, der Mann braucht keine Band: Rhythmus, Leadgitarre, Soli, alles wird, meist simultan, mit viel Gefühl und unerreichter Virtuosität von ihm gespielt. Er ist gut bei Stimme, ein Händchen für Melodien und Hooks hatte er schon immer. Der Abend ist ein einziger Genuss.

Gern würden wir ihm noch länger zuhören, auch nach der letzten Zugabe »I Want To See The Bright Lights Tonight« (1974). Aber Thompson kommt nicht mehr: »Bright Lights« ist die Hymne des Aufbruchs.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.06.2026, Seite 11, Feuilleton

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