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Dickens unterschätzt

Charles Dickens (1812–1870) wird nach Ansicht des Literaturwissenschaftlers Norbert Lennartz unterschätzt. Der Brite sei nicht nur ein »Vielschreiber von dicken Romanen« gewesen, sondern ein »anspruchsvoller Dichter der Moderne«. Mit dem Aufruf, das zur Kenntnis zu nehmen, werde am 9. Juni die Dickens-Konferenz in Vechta zu Ende gehen, erklärte der Anglistik-Professor vorab. Gerade in Deutschland werde Dickens vor allem als Jugendbuchautor, Geschichtenerzähler und »Liliputaner« des viktorianischen Geschmacks wahrgenommen. Die teils verächtliche Rezeption gehe zurück auf die 1920er, in denen Dickens für das »gemütliche England« gestanden habe. Im faschistischen Deutschland waren seine Bücher wegen einer negativen Judendarstellung im Roman »Oliver Twist« nicht verboten. Auch das habe seinem Ansehen geschadet. In den 50er Jahren sei er schließlich als »humoresker, gemütlicher Dickens« wiederentdeckt worden. Dieses Bild halte sich beharrlich, obwohl Dickens’ »Kritik am Kapitalismus und dem Finanzwesen« zum Beispiel »weit über die viktorianische Zeit hinaus« gültig bleibe. (dapd/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.06.2012, Seite 12, Feuilleton

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