Zum Inhalt der Seite

Lesetips

»Klebeeffekt«

Befürworter der Leiharbeit reden gerne vom »Klebeeffekt«: Angeblich bleiben Leiharbeiter des öfteren in den Entleihbetrieben »kleben« und werden zu Stammbeschäftigten. Daß das nur in den seltensten Fällen so ist, kann als wissenschaftlich erwiesen gelten. Eine andere Art von »Klebeeffekt« hat nun eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung festgestellt, auf die die Fachzeitschrift Gute Arbeit in ihrer aktuellen Ausgabe verweist. Demnach bleiben Beschäftigte in der Leiharbeit selbst kleben: »Wer einmal drin ist in der Leiharbeit, schafft es nur schwer in eine feste Beschäftigung.« Besonders davon betroffen sind Immigranten. Sie haben »als Leiharbeitnehmer schlechte Karten, denn sie sind die Billigreserve in einem gespaltenen Arbeitsmarkt«, so das Fazit der Sozialwissenschaftlerin Sandra Siebenhüter, die 116 Leiharbeiter, Manager und Betriebsräte aus der südbayerischen Metall-, Elektro- und Druckindustrie befragt hat. Demnach werden Migranten, die lange in der Zeitarbeitsbranche tätig sind, »um ihre Teilhabechancen gebracht. Ihr Bemühen und das ihrer Familien um Integration ist von vornherein zum Scheitern verurteilt«.Denn: Das sozial und finanziell prekäre Beschäftigungsverhältnis berge eine »Abwärtsdynamik bei schleichender Desintegration« in sich.

Die mit Leiharbeit verbundene Unsicherheit trifft zwar alle Beschäftigten der Branche. Bei Menschen mit Migrationshintergrund sind die Auswirkungen aber noch stärker. Insbesondere wenn ihr Aufenthaltsstatus an die Berufstätigkeit gekoppelt ist, sind sie vollends erpreßbar, wie das Beispiel eines türkischen Leiharbeiters zeigt: Der Chef kürzte ihm den Stundenlohn jedes Jahr um 25 Cent mit dem Spruch: »Willst du auch weiterhin in Deutschland bleiben? Dann brauchst du einen Arbeitsplatz.«


(jW)

Gute Arbeit. Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung, 11/2011, 40 Seiten. www.­gutearbeit-online.de

Zwei Kongresse

Anzeige

Eine detaillierte Analyse des IG-Metall-Gewerkschaftstags legt jW-Autor Stephan Krull im aktuellen Express vor. Er benennt die Knackpunkte der Debatten und spart nicht mit Kritik an der Politik der Gewerkschaftsspitze. Ein Beitrag von Hugo Claus im gleichen Blatt berichtet vom ver.di-Bundeskongreß. Diese von Harmonie geprägte Konferenz habe »wichtige organisationspolitische Fragen nur am Rande behandelt«. Die notwendigen Diskussionen darüber müßten in den kommenden Monaten nachgeholt werden, meint der Autor.

(jW)

Express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, Nr. 10/2011, 16 Seiten, 3,50 Euro. www.labournet.de/express

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 22.11.2011, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!