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Ausbildung: Gastgewerbe besonders verantwortungslos

Die Ergebnisse des diesjährigen Ausbildungsreports beweisen, daß viele Unternehmer des Gastgewerbes bei der Ausbildung verantwortungslos handeln. Dies geht aus einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Einschätzung von Michaela Rosenberger, der stellvertretenden Vorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG), hervor.

Danach landeten die Berufe des Gastgewerbes zum wiederholten Mal beim Vergleich der Ausbildungsbedingungen auf den letzten Plätzen der 25 häufigsten Berufe. Insbesondere zahlreiche und zudem unbezahlte Überstunden sowie Verstöße gegen die einschlägigen Gesetze und eine hohe Erschöpfungsrate belasteten die jungen Leute. So müßten zwei Drittel aller Auszubildenden der Branche eine erhebliche Anzahl von Überstunden leisten, von denen dann fast die Hälfte der Auszubildenden diese dann weder in Freizeit noch in Geld vergütet bekommt und somit faktisch umsonst arbeitetet.

Mehr als 33 Prozent klagten zudem über ungerechte Behandlung. Über zwei Drittel erklärten, sie hätten Schwierigkeiten, sich nach ihrem Arbeitstag zu erholen.


Es sei »erschreckend, unter welchen Bedingungen viele Auszubildende im Gastgewerbe zu leiden haben«, erklärte Rosenberger. Statt immer wieder über die angeblich so schlechten Bewerber zu klagen, sollten sich viele Betriebe an die eigene Nase fassen und endlich ihren Auszubildenden mit Respekt begegnen und die Bedingungen verbessern. Die Alarmsignale schrillen seit langem: Das Gastgewerbe hat allein in den letzten vier Jahren mehr als 20000 Auszubildende verloren und führt die Hitliste der Branchen mit unbesetzten Lehrstellen an, so Rosenberger. Während 2007 noch mehr als 107000 junge Menschen einen Beruf im Gastgewerbe erlernten, waren es 2010 nur noch knapp mehr als 86000.

Noch immer beginnen fast 30000 junge Menschen jedes Jahr ihre berufliche Karriere im Hotel- und Gaststättengewerbe. Sie vertrauen darauf, gut und unter fairen Bedingungen ausgebildet zu werden, um erfolgreich ins Arbeitsleben zu starten. Dieses Vertrauen wird von vielen Betrieben maßlos und mutwillig enttäuscht. Doch wer Verantwortung fordert, sollte dies auch mit eigenem Handeln fördern. Hiervon seien viele Betriebe der Branche jedoch weit entfernt, bedauerte die NGG-Vizevorsitzende. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 20.09.2011, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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