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Modell Darmstadt

In der Saison 1978/79 der Fußballbundesliga stieg erstmals der SV Darmstadt 98 auf – weil man schon damals kein Geld hatte, ohne Flutlicht und echten Profikader, stolz als »Darmstädter Modell« vorgestellt. Es wurde ein Fiasko: Die sogenannten Feierabendprofis waren chancenlos und verließen die 1. Liga als Tabellenletzter. Die ebenfalls seit geraumer Zeit finanziell angeschlagene Frankfurter Rundschau hat sich nun auch ein »Darmstädter Modell« ausgedacht: Die Zeitung schließt ihre Lokalredaktionen in Darmstadt und Groß-Gerau – und kauft die dortige Lokalberichtungerstattung bei einem Konkurrenten extra ein. Sieben Redakteursstellen fallen weg. Ab dem 1. Juli soll das Darmstädter Echo täglich vier bis sechs Seiten »druckfertig zuliefern«. Ein Novum in der deutschen Zeitungslandschaft. Wie die taz berichtet, verlautete aus der Chefetage der Frankfurter Rundschau, »man habe nichts gegen Pressevielfalt in Darmstadt, man könne sie sich nur nicht leisten«. Die Pressevielfalt im Landkreis Darmstadt sieht so aus, daß dort nur eine einzige Tageszeitung existiert: Das rechtssozialdemokratische Darmstädter Echo, mit Abstand eine der langweiligsten Zeitungen der Republik.

(jW)
junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.05.2009, Seite 12, Feuilleton

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