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Kempowskis Freund aus Utah

Alan Keele, der an einem College in Utah (USA) Deutsch unterrichtet und mit dem Schriftsteller Walter Kempowski (1929–2007) befreundet war, hat der FAZ (Samstagausgabe) ein Interview gegeben. »Walter Kempowski war doch ein Spion« lautete die Überschrift. »Das geht ja aus den Romanen selbst hervor«, erklärte Keele. »Andererseits geht aus den Akten hervor, daß Kempowski sich damals (1947/48, d. Red.) viel öfter mit CIC-Leuten getroffen hat, als er in den Romanen behauptet.« Das CIC war eine Vorgängerorganisation der CIA. Die Gründe Kempowskis, dem CIC wiederholt »seine Dienste« anzutragen, nannte der Deutschlehrer aus Utah »praktisch«. Der 18jährige habe »sich einen Job im ›Schlaraffenland‹ des amerikanischen Supermarkts erspionieren« wollen. »Ich glaube, daß die Kempowskis mehr in Spionage­angelegenheiten involviert waren, als man bisher dachte; die haben das quasi als eine Art Reisepaß betrachtet, die erhofften sich davon die Möglichkeit, leichter in den Westen zu kommen.« Der Teenager sei im übrigen »noch kein Kommunistenfresser« gewesen. Im März 1948 wurde Kem­powski in Rostock verhaftet. Nach acht Jahren Haft in Bautzen siedelte er zunächst nach Hamburg um. Gestorben ist er im Oktober 2007 in Rotenburg (Wümme).

(jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 04.05.2009, Seite 12, Feuilleton

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