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Doping: Verstricken

Leipzig. Der Deutsche Skiverband (DSV) hatte entgegen der eigenen Darstellung offenbar doch eine Empfehlung vorliegen, nach der die Biathlon-Trainer Frank Ullrich und Wilfried Bock wegen sogenannter Verstrickungen ins DDR-Dopingsystem nicht weiter beschäftigt werden sollten – allerdings im Jahre 1991. Dies berichtete die WDR-Sendung sport inside am Montag abend.

Das geschäftsführende Präsidium des damaligen Deutschen Sportbundes hatte am 25. Mai 1991 den Beschluß gefaßt, dem DSV zu empfehlen, »mit den Trainern Bock und Ullrich kein festes Anstellungsverhältnis entstehen zu lassen, solange der gegen sie bestehende dringende Verdacht der persönlichen tatsächlichen Beteiligung an der systematischen Verabreichung von Dopingmitteln an Aktive nicht ausgeräumt« sei. Denn eine adhoc-Komission sei zu dem Ergebnis gekommen, daß »im Skilanglauf und im Biathlonsport der ehemaligen DDR flächendeckend gedopt worden ist und hierüber alle Trainer, Ärzte und Funktionäre« informiert gewesen seien.
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Die ehemaligen DDR-Biathleten Jürgen Wirth und Jens Steinigen hatten gegen Männer-Bundestrainer Frank Ullrich und Wilfried Bock, Heimtrainer von Staffel-Olympiasieger Michael Rösch, Doping-Anschuldigungen für den Zeitraum 1986 bis 1988 erhoben. Bock und Ullrich streiten diese Vorwürfe ab. Der DSV hatte bislang schriftlich mitgeteilt, daß er sich stets an Vorgaben und Empfehlungen der Kommissionen gehalten habe, die Doping in der DDR untersucht hatten. »Über Ullrich hat der DSV in den vergangenen Jahren keinerlei Hinweise oder Empfehlungen erhalten, nach denen er nicht mehr für den DSV als Cheftrainer hätte arbeiten können oder sollen«, sagte DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach. In den vergangenen Jahren hätten sich im Vorfeld von Olympischen Spielen mehrere Kommissionen mit der Vergangenheit aller deutscher Bundestrainer beschäftigt.(sid/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 25.03.2009, Seite 16, Sport

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