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14.06.2008
- → Feuilleton
Weiße Linie
Aber auch mit Stars wie Mick Jagger und Eric Clapton soll sie sich nähergekommen sein«, schrieb Springers Welt am Freitag über Carla Bruni. Kann man es besser sagen? Der Text war als einer von drei Höhepunkten der Ausgabe auf der Titelseite angekündigt. Mit Foto. Sein Anlaß: Die Präsidentengattin veröffentlicht am 21. Juli eine Platte mit Liebesliedern. Eines heißt »Tu es ma came« und hat für diplomatische Wirrness gesorgt: »Du bist mein Stoff,/ tödlicher als afghanisches Heroin,/ gefährlicher als kolumbianischer Schnee«. Die Welt übersetzte Stoff mit »Rauschgift« und Schnee mit »Kokain« – eine falsche Übersetzung, nichtsdestotrotz berief der kolumbianische Außenminister Fernando Araujo am Donnerstag in Bogotá eine Pressekonferenz ein, auf der er bekanntgab, Bruni habe eine »rote Linie« überschritten. Daß 80 Prozent des weltweit gehandelten Kokains aus Kolumbien kommen, ließ er nicht gelten. Der Élysée-Palast lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab. Aus Afghanistan war auch nichts zu hören. Bruni hält sich in einem anderen Lied der Platte, »Une enfant«, für kaum strafmündig: »Ich bin ein Kind/ trotz meiner 40 Jahre/ trotz meiner 30 Liebhaber.« (AP/jW)
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