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»Unseriöser Gefälligkeitsjournalismus«
junge Welt beschäftigt auch jene, die mit ihr eigentlich gar nichts zu tun haben wollen
Aber daß uns keiner liebt, stimmt natürlich nicht. Zumindest werden wir in den Zuschriften an Verlag und Redaktion nicht nur beschimpft. Und dann ist da noch der Umstand, daß wir die einzige überregionale Tageszeitung sind, die nun schon mehrere Jahre in Folge beim Kioskverkauf und bei den Abonnements Zuwächse verbuchen kann. Das allerdings ist kein verläßlicher Liebesbeweis, denn mittlerweile lesen uns auch viele Menschen aus nackter Not: »Ich lese regelmäßig die Online-Ausgabe Ihrer Zeitung und bin froh, daß es Gegenstimmen zu dem ›Nachrichten-Einheitsbrei‹ der hiesigen Medienlandschaft gibt«, schrieb uns beispielsweise am Freitag ein Leser. Zwar gefällt kaum einem alles in der jungen Welt, aber wer sie einmal eine Zeitlang gelesen hat, verzichtet nur noch ungern auf sie. So haben viele Aktivisten und passive Beobachter der G-8-Gipfel-Proteste vor etwa einem Jahr in Rostock und Heiligendamm die junge Welt über ihre Berichterstattung kennen- und schätzengelernt. Allerdings liegt das auch an der Schwäche anderer Medien. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung hat diese Woche ein medienkritisches Buch über diese Vorgänge mit dem Titel »Nur Clowns und Chaoten?« veröffentlicht, worin man nachvollziehen kann, warum das so war: »In der Tendenz offenbaren sich auf seiten der etablierten Medien zwei grundlegende Schwächen. Zum ersten neigen sie dazu, den offiziellen Quellen a priori mehr Glauben zu schenken als anderen Quellen. Nicht nur wurden tendenziöse Polizeiberichte ungeprüft übernommen. In einigen Fällen bevorzugten Redaktionen sogar diese Berichte, obgleich diesen von den eigenen Reportern vor Ort widersprochen wurde. Der Anpassungsdruck gegenüber anderen Medien, auch der Eifer, möglichst schnell mit einer spektakulären Nachricht aufzuwarten, ist zuweilen größer als die Sorgfaltspflicht, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Zum zweiten mangelt es auch nach offenkundigen journalistischen Fehlleistungen an der Bereitschaft zu einer selbstkritischen Reflexion«, hieß es in einem Kurztext zur Pressevorstellung des Buches am Mittwoch.
Zu selbstkritischen Reflexionen und zum Schmieden neuer Pläne verkriechen sich die Mitarbeitenden von Verlag und Redaktion an diesem Wochenende in ein ehemaliges Kinderferienlager im Märkischen. Deshalb gibt es am Montag keine junge Welt. Aber das ist auch in Ihrem Interesse: Schließlich beraten wir darüber, wie die junge Welt noch besser werden kann.
Verlag, Redaktion, Genossenschaft
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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