Zum Inhalt der Seite

Überraschung im Jalloh-Prozeß

Dessau. Im seit zehn Monaten laufenden Strafprozeß gegen zwei Polizisten wegen des Todes des Asylbewerbers Oury Jalloh im Dessauer Polizeigewahrsam gab es am Mittwoch eine überraschende Wende. Das Landgericht Dessau-Roßlau ordnete die Erstellung eines weiteren Brandgutachtens an. Jalloh war am 7. Januar 2005 bei einem Brand in seiner Zelle gestorben. Die Staatsanwaltschaft wirft den zuständigen Beamten Körperverletzung mit Todesfolge beziehungsweise fahrlässiger Tötung durch Unterlassen vor. Der damalige Dienstgruppenleiter der Polizeiwache soll die Hilferufe des Afrikaners überhört und die Warntöne von Rauchmelder und Lüftungsanlagen der Zelle ignoriert haben. Aus Sicht der Anklagebehörde hätte bei einem rechtzeitigen Eingreifen der Polizisten das Leben des an Händen und Füßen auf einer Matratze fixierten Mannes gerettet werden können.

Durch das neuerliche Gutachten, das auf einer Simulation des Brandgeschehens beruhen wird, soll ermittelt werden, wieviel Zeit zur Verfügung gestanden hätte, das Opfer nach der Auslösung des Rauchalarms noch zu retten. Bekannte des Opfers und Unterstützergruppen erhoben im Laufe des Verfahrens widerholt schwere Vorwürfe gegen die Polizei und die Ermittlungsbehörden. (ddp/jW)

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 25.01.2008, Seite 4, Inland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!