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GmbH und Utopie

Bis kommenden Dienstag laufen in Oberhausen die 53. Internationalen Kurzfilmtage. Es sind die zehnten im letzten Kino der Innenstadt. Von Verbesserungen durch einen »Wechsel der Betriebsform in eine gemeinnützige GmbH« schwärmte Festivalleiter Lars Henrik Gass in seiner Eröffnungsrede am Donnerstag, erwähnte »erhebliche Einsparungen« und die »Entwicklung eines Sponsoringkonzepts, das einen entscheidenden Schritt über das konventionelle Mäzenatentum hinaus«gehe – »die Vorteile (der neuen Betriebsform – d. Red.) sind aus unserer Sicht so zahlreich, daß ein Abend nicht genügte, sie aufzuzählen«. Um die Sache nicht zum BWL-Grundkurs verkommen zu lassen, führte Gass dann aus: »Kultur legitimiert sich aus unserer Sicht heute nicht dadurch, daß sie jedem gefällt, sondern indem sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung besinnt: nicht, indem sie der Gesellschaft, wie sie ist, dient – als Event –, sondern indem sie an deren Neuerfindung mitwirkt.« Er zitierte als eine »der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Films« Ulrich Gregor: »Wir leben momentan wohl kaum in einer Periode des Umbruchs, sondern eher in einer Epoche der Konsolidierung, ja der Gleichmacherei. Wirtschaftlicher Erfolg, Durchsetzungskraft am Markt werden zu Fetisch-Werten erhoben.« Gass nannte dies »mutige Worte, die heute schon fast radikal klingen«. Gegen Ende der Rede konstatierte er etwas geknickt: »Alexander Kluges Wunschbild eines ›zweckfreien Films‹ von 1964 ist immer noch Utopie.« Berichte vom Festival folgen. Das Foto stammt aus dem russischen Wettbewerbsbeitrag »Fuga«. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 05.05.2007, Seite 13, Feuilleton

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