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Die AWO wird Wohlfahrtskonzern

Bruch mit dem historischen Erbe

Am 23./24. Juni will sich der AWO-Bundesverband ein neues Grundsatzprogramm in Magdeburg verpassen, das wie der Bruch des Wohlfahrtsverbandes mit dem historischen Erbe aus den Hochzeiten der deutschen Arbeiterbewegung anmutet. Im Mittelpunkt der Planungen steht eine Entflechtung der unternehmerischen und verbandlichen Aufgaben und Aktivitäten von der traditionell eher »ideell und ehrenamtlich geprägten Mitgliederorganisation«. Jürgen Wörner von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di drückt den Wandel wie folgt aus: »Das Ehrenamt repräsentiert weiter das Gute im Menschen, das Hauptamt steht für Markt und Wettbewerb.« Übergeordnetes Ziel ist die Etablierung eines »modernen« und »professionellen« Wohlfahrtskonzerns, der – ganz nach unternehmerischem Vorbild – den Privaten auf dem »Markt der Sozialwirtschaft« Paroli bieten soll. Dazu müßte künftig die Führung der AWO-Betriebe außerhalb des Mitgliederverbands »in rechtlich eigenständigen AWO-Unternehmen organisiert werden«, schreiben die Verbandsspitzen in einem Programmentwurf vom September 2006.

Maßgeblich verantwortlich für den Richtungswechsel zeichnen der Bundesvorsitzende Wilhelm Schmidt, bis 2005 Mitglied der SPD im Bundestag, und Bundesgeschäftsführer Rainer Brückers. Beide hatten sich im Mai 2006 gemeinsam mit Spitzenvertretern des Roten Kreuzes (DRK), des Diakonischen Werks sowie des Städte- und Gemeindebundes in einer »persönlichen Erklärung zur Reform des SGB II« für weitere Einschnitte bei Hartz-IV-Empfängern starkgemacht. Selbst das AWO-Bundesjugendwerk kommentierte seinerzeit scharf: »Bei jeder Schweinerei ist die AWO dabei«. Während aber Diakonie-Chef, Jürgen Gohde, wegen verbandsinterner Proteste wenig später seinen Hut nehmen mußte, sitzen Schmidt und Brückers weiterhin fest im Sattel.


(rwu)
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Erschienen in der Ausgabe vom 26.02.2007, Seite 3, Schwerpunkt

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