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Null Toleranz oder Kooperation?

Am 6. Februar wurde zum vierten Mal der »Welttag gegen weibliche Genitalverstümmelung« begangen. Bei dem grausamen Ritual werden vielfach schon kleine Mädchen ohne Betäubung und mit primitiven Hilfsmitteln beschnitten oder gar »zugenäht«.

Frauenrechtsorganisationen wie Terre des Femmes (TdF) und die Lobby für Menschenrechte forderten Anfang der Woche erneut vehement »Null Toleranz«, also harte Strafen gegenüber Einwanderern in der BRD, die ihren Töchtern dies antun. TdF hat erstmals eine Unterrichtsmappe zum Thema erstellt. TdF arbeitet mit Forward, einer von Migrantinnen getragenen Organisation gegen Beschneidung, zusammen. Deren Protagonistinnen warnen jedoch davor, etwa Eltern afrikanischer Herkunft unter Generalverdacht zu stellen. In der tageszeitung (Dienstagausgabe) äußerte die Ärztin und Forward-Aktivistin Fana Asefaw, die »gutgemeinten Kampagnen« seien oft nur ein »willkommener Vorwand«, »Klischees über ›primitive Völker‹ abzurufen«. Sie plädiert auch für die Verwendung des Begriffs »Beschneidung«: Die Betroffenen würden es als demütigend empfinden, als Verstümmelte bezeichnet zu werden. Forward und Gruppen wie die »Gesellschaft für die Rechte afrikanischer Frauen« wenden sich auch gegen diskriminierende Zwangsmaßnahmen wie die von TdF und der Organisation »Intact« geforderte obligatorische Untersuchung von Mädchen nach Auslandsaufenthalten. Asefaw in der taz: »Stärker als bisher sollten Migrantinnen als Aufklärerinnen einbezogen werden.«
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Nach Schätzung von TdF leben in der BRD mindestens 19000 bereits betroffene Frauen, über 4000 Mädchen gelten als gefährdet. Weltweit werden nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) jährlich drei Millionen Mädchen Opfer von Beschneidungsritualen. Die schädliche Praxis ist nach DSW-Angaben einer der Gründe für die hohe Müttersterblichkeit in Afrika und Asien.

(jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 09.02.2007, Seite 15, Feminismus

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