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Antifabesuch im Seniorenheim

Das Moorsoldatenlied erklang am vergangenen Sonntag im Altersheim »Pro Seniore« im rheinländischen Eschweiler. Der Besuch des antifaschistischen Chores vom Arbeitskreis »Gegen das Vergessen« war unangemeldet. Für eine Reihe der Heimbewohner war es interessant zu erfahren, mit wem sie unter einem Dach leben. Die Aktion richtete sich gegen ihren Mitbewohner Heinrich Boere. Das ehemalige Mitglied der Waffen-SS wurde in den Niederlanden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, entzog sich seiner Bestrafung aber, indem er die deutsche Staatsbürgerschaft annahm. Boere war Angehöriger des SS-Mordkommandos »Silbertanne«, das nach Aktionen des niederländischen Widerstandes mehr als 50 Menschen umbrachte. Seit über 50 Jahren lebt der heute 85jährige Boere unbehelligt in Eschweiler.

Seit August 2006 jedoch müssen Boere und andere im Ausland verurteilte faschistische Mörder noch einmal bangen. Der Euro-Haftbefehl könnte die verfolgungsunwillige deutsche Justiz zwingen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
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(jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 01.11.2006, Seite 15, Antifaschismus

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