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27.09.2006
- → Feuilleton
Ganz große Oper. Zur lustigsten Spielplanänderung des Jahres
Von Monika Sowinska
Ach Gottchen. Wegen der allgemein übergroßen Angst vor blutgierigen Islamisten und möglichen Anschlägen auf alles, was diese vielleicht kränken könnte, sagte die Deutsche Oper Berlin am Montag einige Wiederaufführungen von Mozarts »Idomeneo« ab (Regie: Hans Neuenfels, Premiere: Dezember 2003, zuletzt aufgeführt im Mai 2004).
Seit der Spielplanänderung hagelt es Kritik von allen Seiten, alle, die nichts zu sagen haben, halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer wetterte, die Entscheidung der Intendantin Kirsten Harms zeuge nicht von Respekt vor der Religion, sondern sei »nichts als pure Feigheit«. Wolfgang Börnsen, kulturpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zeterte: »Hurra, wir kapitulieren! Aus Angst vor möglichen terroristischen Übergriffen eine religionskritische Inszenierung abzusetzen, schadet der Freiheit der Kunst.« Er nannte die Entscheidung sogar einen »Kniefall vor Terroristen«. Alles nur, weil Neuenfels den Idomeneo, König von Kreta, im Epilog die Köpfe der großen Religionsstifter Jesus, Mohammed und Buddha abhacken und in einen Sack stopfen lassen ließ – ein einigermaßen plumpes Bild für den Aufstand gegen die Fremdbestimmung der Weltenlenker.
Als »unkalkulierbares Sicherheitsrisiko für das Haus« bezeichnete das LKA die Aufführung des Stücks, weil die religiösen Gefühle von Moslems verletzt werden könnten. Die Bild-Zeitung titelte »Deutsche Oper in Terrorangst« und maulte: »Unsere Freiheit und die Kultur bleiben auf der Strecke«. Innenminister Schäuble motzte »Das ist verrückt!« Und selbst Wikipedia, die allwissende Online-Enzyklopädie, hat die Absage der Oper auf ihrer Idomeneo-Seite unter dem Titel »Zeitgenössische Wahrnehmung« bereits aufgenommen, das ging alles ganz schnell. Und weil der Sturm der Entrüstung so groß ist, bittet die Deutsche Oper darum, »ab sofort von weiteren telefonischen Anfragen abzusehen«. Welch Dramatik, welch überschwengliche Emotionen. Und das Charmanteste an diesem wortreichen Possenspiel? Die einzigen, die sich in den Mantel des Schweigens hüllen, ja, das sind die Moslems. Möglicherweise finden sie das Ganze einfach lächerlich und lächeln.
Seit der Spielplanänderung hagelt es Kritik von allen Seiten, alle, die nichts zu sagen haben, halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer wetterte, die Entscheidung der Intendantin Kirsten Harms zeuge nicht von Respekt vor der Religion, sondern sei »nichts als pure Feigheit«. Wolfgang Börnsen, kulturpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zeterte: »Hurra, wir kapitulieren! Aus Angst vor möglichen terroristischen Übergriffen eine religionskritische Inszenierung abzusetzen, schadet der Freiheit der Kunst.« Er nannte die Entscheidung sogar einen »Kniefall vor Terroristen«. Alles nur, weil Neuenfels den Idomeneo, König von Kreta, im Epilog die Köpfe der großen Religionsstifter Jesus, Mohammed und Buddha abhacken und in einen Sack stopfen lassen ließ – ein einigermaßen plumpes Bild für den Aufstand gegen die Fremdbestimmung der Weltenlenker.
Als »unkalkulierbares Sicherheitsrisiko für das Haus« bezeichnete das LKA die Aufführung des Stücks, weil die religiösen Gefühle von Moslems verletzt werden könnten. Die Bild-Zeitung titelte »Deutsche Oper in Terrorangst« und maulte: »Unsere Freiheit und die Kultur bleiben auf der Strecke«. Innenminister Schäuble motzte »Das ist verrückt!« Und selbst Wikipedia, die allwissende Online-Enzyklopädie, hat die Absage der Oper auf ihrer Idomeneo-Seite unter dem Titel »Zeitgenössische Wahrnehmung« bereits aufgenommen, das ging alles ganz schnell. Und weil der Sturm der Entrüstung so groß ist, bittet die Deutsche Oper darum, »ab sofort von weiteren telefonischen Anfragen abzusehen«. Welch Dramatik, welch überschwengliche Emotionen. Und das Charmanteste an diesem wortreichen Possenspiel? Die einzigen, die sich in den Mantel des Schweigens hüllen, ja, das sind die Moslems. Möglicherweise finden sie das Ganze einfach lächerlich und lächeln.
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