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27.06.1997
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Pingpong- Ausgleich
Nachama soll gespaltene jüdische Gemeinde zu Berlin einen
Nach monatelangen Querelen und Skandalen in der jüdischen Gemeinde zu Berlin will der neugewählte Vorsitzende Andreas Nachama sich um Ausgleich bemühen. »Wir wollen einen neuen Anfang finden«, sagte der 45jährige Historiker am Donnerstag. Der neue Vorstand wolle vor allem die 6 000 osteuropäischen Zuwanderer, rund die Hälfte der Gemeinde, stärker einbeziehen und sie auch rechtlich und sozial besser versorgen. Nachama war am Vorabend mit breiter Mehrheit aus der Mitte des neuen Gemeinderats gewählt worden.
Nachama übernimmt das Amt von dem 75jährigen Jerzy Kanal, der aus Altersgründen nicht mehr antrat. Unter seiner fünfjährigen Führung war in der Gemeinde eine tiefe Kluft gewachsen, die zum Teil aus den Verständigungsproblemen mit den Zuwanderern sowie sozialen und kulturellen Unterschieden herrührt. Zudem wurden aus der Gemeinde schwere Vorwürfe wegen angeblicher Vetternwirtschaft gegen Mitglieder des alten Vorstands laut. Gegen ein ehemaliges Mitglied ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs.
Nachama, Sohn des Oberkantors Estrongo Nachama, ist derzeit geschäftsführender Direktor des Berliner Dokumentationszentrum »Topographie des Terrors«. Er will sich dort beurlauben lassen und den Gemeindevorsitz hauptberuflich übernehmen. Die Aussöhnung in der Gemeinde wolle er mit einem »Pingpong-Spiel« enger Zusammenarbeit zwischen Repräsentantenversammlung und Vorstand voranbringen. Stellvertretende Vorsitzende wurden der bisherige Oppositionsführer im Gemeinderat, der 43jährige Moishe Waks, und das bisherige Vorstandsmitglied Norma Drimmer. Erstmals besteht die Gemeindeführung ausschließlich aus Personen, die den Holocaust nicht mehr erlebt haben.
Zur langwierigen Debatte über das Holocaust-Denkmal in Berlin sagte Nachama, er wolle sich in Entscheidungsprozesse der Verantwortlichen inhaltlich nicht einmischen. Doch mahnte er sie, das Konzept zügig umzusetzen.
Nachama setzte sich zwar für eine neue Rolle der jüdischen Gemeinde in Berlin ein, wehrte sich aber gegen den Ausdruck »Normalisierung«. Solange die Folgen des Nazi-Massenmordes an den Juden und der Zerstörung der jüdischen Kultur nicht behoben seien, könne davon nicht gesprochen werden. Dies werde wahrscheinlich noch mehrere Jahrzehnte dauern.
AP/jW
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