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Klimawandel

2,8 Grad mehr

UN-Report: Erderwärmung setzt sich fort, CO₂-Emissionen bleiben auf Rekordniveau

Von Wolfgang Pomrehn
Foto: Jose Luis Gonzalez/REUTERS
Ein Vorschein auf künftige Normalität? Kuhdavaer in Dürreregion, Mexiko 2022

Die Welt ist auf dem Weg zu einer Erwärmung – Erhitzung sollte vielleicht eher gesagt werden – um 2,8 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Das ist die Essenz eines neuen Berichts des UN-Umweltprogramms UNEP. Am Mittwoch wurde er in Kenias Hauptstadt Nairobi der internationalen Presse vorgestellt. Darin werden vor der am 9. November im türkischen Antalya beginnenden diesjährigen UN-Klimakonferenz die bisherigen Treibhausgasemissionen, die bereits umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen sowie die von den Staaten eingegangenen Selbstverpflichtungen bilanziert.

Das Ergebnis: Die erste Latte, die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken, ist bereits so gut wie gerissen – zwar noch nicht im langjährigen Durchschnitt, aber in den letzten Jahren erlebte die Menschheit wiederholt monatelange Phasen, in denen die über den ganzen Planeten gemittelte Temperatur schon mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau lag. Und der Trend zeigt ziemlich deutlich weiter nach oben. Derzeit spielt sich im tropischen Pazifik gerade eines der stärksten El-Niño-Wetterphänomene seit Beginn der Aufzeichnungen ab. Neben teils katastrophalen Niederschlägen und verheerenden Dürren wird das ziemlich sicher einen neuen globalen Temperaturrekord zur Folge haben.

Bestenfalls, so die für den Bericht durchgerechneten Szenarien, kann bis zur Mitte des Jahrhunderts die weitere Erwärmung auf 1,7 bis 1,8 Grad Celsius beschränkt und die globale Temperatur wieder auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau abgesenkt werden. Allerdings müssten dafür zwei Bedingungen erfüllt werden: Zum einen müsste in den nächsten Jahrzehnten das Treibhausgas CO₂ im sehr großen Maßstab der Atmosphäre wieder entzogen werden. Zum anderen müssten die globalen Emissionen bis 2030 um 18 Prozent und bis 2035 um 45 Prozent vermindert werden. Doch davon kann bisher keine Rede sein. Die Emissionen verharren noch immer auf Rekordniveau, und die von den Staaten eingegangenen Selbstverpflichtungen würden, wenn in vollem Umfang umgesetzt, die Emissionen bis 2030 lediglich um fünf bis acht und bis 2035 um 11 bis 15 Prozent senken.

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Auch ist noch vollkommen ungewiss, ob so viel CO₂ der Atmosphäre entzogen und eingelagert werden kann. Der Bericht spricht von 320 Milliarden Tonnen CO₂, etwa das Achtfache der derzeitigen jährlichen Emissionen. Alles sieht also derzeit danach aus, dass das globale Klima noch erheblich weiter aus jenem komfortablen Gleichgewicht gebracht werden wird, in dem sich in den letzten 10.000 Jahren unsere auf Ackerbau und Viehzucht zurückgehende Zivilisation entwickelt hat. Die UNEP schreibt, dass die Temperatur des Planeten am Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad Celsius über das Niveau der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts steigt, wenn die bisherige Politik einfach fortgesetzt wird. Würden zumindest alle bisherigen Zusagen eingehalten, wäre es immer noch ein Plus von 2,6 Grad Celsius.

Die Autoren des Berichts versuchen aber zugleich auch, ein wenig Hoffnung zu verbreiten. Der Verbrauch von Öl und Kohle sei seit 2015 weniger schnell gewachsen, als seinerzeit erwartet, die erneuerbaren Energieträger hätten sich schneller ausgebreitet, als erhofft. »Es gibt zahlreiche Erfolgsgeschichten«, meint UNEP-Exekutivdirektorin Inger Anderson. Es sei nun an der Zeit für ehrgeizigere Maßnahmen, »die Klima, Wirtschaft und Gesellschaften stabilisieren«.

Die Erfolgsgeschichten werden allerdings zuletzt eher in Asien und Afrika geschrieben. Die Bundesregierung hat anderes im Sinn: Mit Tankrabatt werden Vielfahrer und Energiekonzerne beschenkt, Immobilienhaien wird per Heizungsgesetz erlaubt, Mietern neue, teure Gasheizungen vorzusetzen, mit neuen Gaskraftwerken werden Stromrechnungen und Treibhausemissionen in die Höhe getrieben und mit einem neuen Gesetz für Sonne, Wind und Co. deren Ausbau verlangsamt und behindert. Wie ehedem alles zum Wohle der fossilen Konzerne.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.10.2026, Seite 1, Titel

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