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Am Tisch der Diplomaten
Weltstädtisch: Die 45. Tischtennis-EM vom 11. bis 18. Oktober in Ljubljana
Und wieder einmal stellt sich die Frage: Wer bezahlt denn das alles? Gut organisiert war das Turnier, diese 45. Europameisterschaft im Tischtennis, das eine Woche lang dauerte und nur Einzel- und Doppelwettbewerbe umfasste, natürlich schon. Die Teamwettbewerbe finden in einer gesonderten EM im Wechsel statt; nächstes Jahr, 2027, geht es nach Porto. Jetzt, in Ljubljana, der kleinen, netten Hauptstadt des kleinen, netten Vorzeige-EU-Staats Slowenien, ist alles gelaufen, und zwar gut; insbesondere die Deutschen haben mal wieder gezeigt, dass sie im Tischtennis zur europäischen Spitze gehören.
Also schnell zu den Ergebnissen: Die Titel gingen an Benedikt Duda und Nina Mittelham, die das Mixed gewannen; an die Brüder Alexis und Félix Lebrun aus Frankreich, die das Doppel der Herren dominierten; an das Paar Natalia Bajor (Polen) und Tatiana Kukuľková (Slowakei), die das der Frauen gewannen. Die Einzel gewannen die Russin Elisabet Abraamjan im Finale gegen Annett Kaufmann, deren Bild es dann sogar in die »Tagesschau« schaffte, sowie Félix Lebrun, der den Schweden Anton Källberg im Endspiel der Männer besiegte und als Nachfolger seines großen Bruders nach dem Sieg auf den Tisch sprang.
Aber ich wollte auf etwas anderes hinaus, nämlich auf die Frage nach der Effizienz eines solchen Turniers. In Ljubljana kennen sich die Veranstalter einerseits mit der Organisation eines hochrangigen Turniers aus, schließlich finden hier regelmäßig WTT-Turniere statt, andererseits wird es beispielsweise auf dem Weg zum Pressebereich als »Diplomatic Table Tennis Tournament« ausgeschildert. Die Zuschauerresonanz insgesamt: mager.
In der Stadt selbst fand sich kein einziges Werbeplakat für die EM, statt dessen sind die Hotels voller Menschen, die an dem am Wochenende gleichzeitig stattfindenden Marathon teilnahmen. Es gibt einen Linienbus, der von der Stadtmitte zur Halle fährt, die wie fast überall eher außerhalb liegt; trotzdem fuhr am Sonnabend, dem ersten Tag des Marathons und Tag der EM-Viertelfinalspiele, stundenlang kein Bus. In der Halle selbst gab es Stimmung, als Lokalmatador Darko Jorgić aufschlug (er tat sich erstaunlich schwer und schied nach drei anstrengenden Kämpfen bereits im Achtelfinale aus). Für den Rest sorgten treue französische, deutsche und schwedische Schlachtenbummler – die drei führenden Nationen im europäischen Tischtennis.
Sonst aber: leere Ränge. Verpflegung galt es mitzubringen, die sonst üblichen Fressbuden in oder vor der Halle gab es zum Missmut vieler Zuschauer nicht, auch die Merch-Stände der führenden Sportartikelhersteller für Tischtennis waren eher überschaubar. Komisch, das alles. Die Zuschauerzahlen lagen insgesamt unter dem Niveau eines durchschnittlichen Bundesligaspiels, im Tischtennis, wohlgemerkt.
Spielerisch war das Niveau fast ausnahmslos gut. Es gab Überraschungen, sowohl bei den Herren wie bei den Damen. Große Namen purzelten recht früh aus den Wettbewerben. Neben Jorgić erwischte es Truls Möregårdh bereits im Achtelfinale. Dang Qiu konnte diesmal das Duell der Europameister im Viertelfinale gegen Alexis Lebrun gewinnen, verlor dann aber gegen Källberg. Der Finne Benedek Oláh, Nummer 807 (!) der Welt, schlug sich lange wacker durchs Feld, bis Namensvetter Benedikt Duda, der wie fast immer eine gute EM spielte, diesmal aber gegen Leo de Nodrest im Viertelfinale den kürzeren zog, im Achtelfinale eine Nummer zu groß war.
Finalistinnen im Doppel waren die jungen Polinnen Zuzanna Wielgos und Anna Brzyska, die im Halbfinale das deutsche Paar Mittelham/Kaufmann stellten. Bei den Damen erwischte es die Titelverteidigerin Sofia Polcanova genauso wie ihre Gegnerin vom Vorgängerfinale Bernadette Szőcs bereits im Viertelfinale. Sabine Winter, nominell Europas Nummer eins, scheiterte wohl verletzungsbedingt bereits im Achtelfinale.
Kritisch ließe sich noch das eine oder andere anmerken; Duda beispielsweise beklagte sich über die Verzögerungen beim Dopingtest. Und der internationale Spielkalender – einige Profis waren nur ein, zwei Tage vor EM-Beginn noch in China aktiv – bedrängt die Spieler und schneidet ihnen die Vorbereitung ab.
Nun gut, nächstes Jahr geht es für die Teams wie gesagt nach Porto. In zwei Jahren lockt Cluj für die Einzel und Doppel nach Rumänien. Man darf gespannt sein, wie groß dort der Andrang sein wird. Hoffentlich größer.
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