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14.10.2026, 18:35:50
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Serbische Onlinezeitung wehrt sich gegen Übernahme
Belgrad. Rund anderthalb Wochen vor entscheidenden Parlamentswahlen wehrt sich die Redaktion einer in Serbien angesehenen Internetzeitung gegen die Übernahme durch ein regierungsnahes Unternehmen. Sie würden »bis zum letzten Funken unserer Kraft« kämpfen, schrieben die Redakteurinnen und Redakteure der nova.rs in einem offenen Brief am Mittwoch.
Am Dienstag sollen die neuen Eigentümer, eine Investmentgesellschaft aus Portugal, den Journalisten Marko Stjepanovic gegen den Willen der Redaktion als neuen Chefredakteur eingesetzt haben. Dieser war bislang für die regierungsnahe Tageszeitung Blic tätig. Am selben Abend erging an die Redakteure von nova.rs das Ultimatum, sich innerhalb von 48 Stunden der Autorität des neuen Chefredakteurs zu unterwerfen oder die Onlinezeitung gegen die Zahlung einer Abfindung zu verlassen, wie es in dem offenen Brief heißt.
Die Mitarbeiter des Mediums kündigten an, Stjepanovic als Chefredakteur nicht anzuerkennen. »Wir werden uns (...) mit dem Recht der Öffentlichkeit (...) auf zeitnahe, genaue und objektive Information verteidigen«, heißt es in dem Brief weiter. Um sie davon abzuhalten, sich zu verteidigen, müssten die Eigentümer »uns physisch von unseren Arbeitsplätzen entfernen«.
Zu dem Streit kommt es rund anderthalb Wochen vor entscheidenden Parlamentswahlen. Am 25. Oktober hat die Liste der neuen Studentenbewegung Umfragen zufolge gute Chancen, die Regierungspartei SNS des alles bestimmenden Politikers Aleksandar Vučić zu bezwingen.
Vučić bestimmt seit 2012 in wechselnden Funktionen die Politik des Landes. Von 2017 bis zu seinem Rücktritt im Vormonat war er Staatspräsident, als Spitzenkandidat der SNS strebt er bei der kommenden Wahl das Amt des Regierungschefs an. Kritiker werfen ihm autokratische Methoden sowie Repression gegen unabhängige Medien und Oppositionelle vor.
Einer der Gründer der portugiesischen Investmentgesellschaft, Pedro Vargas David, steht Medienberichten zufolge in enger Verbindung zu Geschäftskreisen um Vučić. Er erlangte nicht nur die Kontrolle über nova.rs, sondern auch über die unabhängige Fernsehsender-Gruppe N1 sowie weitere Zeitungen. Sein Vater gilt als Vertrauter des früheren rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Ungarns, Viktor Orbán, der wiederum mit Vučić eng verbündet ist. (dpa/jW)
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