Strukturelles Defizit bei Wechseljahresberatung
Berlin. Rund elf Millionen Frauen in Deutschland sind derzeit in den Wechseljahren, doch passende Unterstützung bei Beschwerden ist für sie oft schwer zu finden. Ein von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingesetztes Gremium forderte am Dienstag deshalb in einem Handlungspapier bessere medizinische Versorgung, mehr Hilfe am Arbeitsplatz und einen stärkeren Schutz vor Benachteiligung. Nach Angaben des Gremiums erleben Frauen in Deutschland den Beginn der Wechseljahre statistisch mit 51 bis 52 Jahren. Danach liegen im Durchschnitt noch mindestens 15 Jahre Erwerbsleben vor ihnen. Eine DAK-Auswertung, auf die sich die Handlungsempfehlungen stützen, zeigt zugleich: Jede dritte betroffene Frau berichtet von teils starken beruflichen Belastungen, etwa eingeschränkter Arbeitsfähigkeit, mehr Fehltagen oder Arbeitsausfällen.
Frauen mit Wechseljahresbeschwerden würden zudem Anlaufstellen suchen, sie aber oft nicht finden. »Wir haben in diesem Land ein Versorgungsproblem«, sagt die Chefärztin für Gynäkologie am Vivantes Klinikum Berlin, Mandy Mangler. Ein Grund dafür sei auch, dass sich Medizin und Forschung lange stark am männlichen Körper orientiert hätten. Wie wenig Raum die Wechseljahre bis heute in der Ausbildung einnehmen, macht Mangler am Beispiel der Berliner Charité deutlich. Dort gibt es ihr zufolge zum Thema Menopause – der Zeitpunkt, der die Fortpflanzungsfähigkeit mit der letzten Menstruation beendet – lediglich eine Vorlesung. Nach Ansicht des Gremiums soll das Thema nicht nur stärker in Studium und Facharztausbildung verankert werden. Gefordert wird zudem eine eigene Abrechnungsziffer für die Wechseljahresberatung.
Die Forschung und Versorgung mit Blick auf medizinische Anliegen von Frauen sollen nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums gestärkt werden. So sollen im Zuge einer Reform der ärztlichen Ausbildung auch das Thema Wechseljahre und ein eigenes Fach »geschlechtersensible Medizin« verankert werden, wie das Ministerium mitteilte. Gefördert werden sollen zudem die Erhebung zusätzlicher Daten zur Frauengesundheit durch das Robert-Koch-Institut (RKI) und Forschungsprojekte unter anderem zu den Wechseljahren.
Die Parlamentarische Staatssekretärin Christiane Schenderlein von der CDU sagte: »Frauengesundheit darf kein gesellschaftliches Randthema sein – es betrifft die Hälfte der Bevölkerung.« Die Wechseljahre seien oft noch ein Tabuthema. Für viele bringe diese Phase Beschwerden mit sich, die gesehen und ernst genommen werden müssten. (dpa/jW)
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