Nobelpreis für Anne Carson
Den Literaturnobelpreis 2026 bekommt die kanadische Schriftstellerin Anne Carson. Das gab die Schwedische Akademie in Stockholm am Donnerstag nachmittag bekannt. Die 76jährige bekommt die Auszeichnung für ihr »kühnes und erfinderisches Werk, das im spielerischen Dialog mit der klassischen Tradition neue Formen für die zeitgenössische Literatur geschaffen hat«, wie die Ständige Sekretärin der Akademie, Ingrid Carlberg, bei der Verkündung sagte.
Sie habe kurz mit der Preisträgerin am Telefon sprechen können, sagte Carlberg. »Sie war sehr überrascht. Wir hatten nicht viel Zeit zu sprechen, aber sie hat mir erzählt, dass sie gerade in Island ist, um dem Wind zuzuhören.«
Der Literaturnobelpreis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung der Welt. Jedes Jahr gehen dafür etwa 200 Nominierungen ein. Wer für den Preis vorgeschlagen wird, bleibt wie bei allen Nobelpreisen 50 Jahre lang geheim.
Anne Carson wurde am 21. Januar 1950 in Toronto geboren. Sie studierte Kunstgeschichte und klassische Philologie. Sie ist Lyrikerin, Übersetzerin und Essayistin. Unter anderem publizierte sie Neuübersetzungen von Aischylos, Sophokles, Euripides, Catull und Sappho. Zu ihren eigenen Werken gehören »Autobiography of Red. A Novel in Verse« (deutsch: »Rot. Zwei Romane in Versen«) oder die Essaysammlung »Eros the Bittersweet« (Der bittersüße Eros).
Sie ist bekannt für eine lakonische essayistische Literatur zweiter Ordnung. Exemplarisch dafür das Bändchen »The Albertine Workout« (2014; deutsch 2017 unter dem Titel »Albertine. 59 Liebesübungen«), in dem sie ihre Beobachtungen/Lektüren zu der Proustschen Kunstfigur Albertine (die Geliebte des Erzählers »Marcel« – die »Gefangene«/»Entflohene« in »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«) sammelt. Darin heißt es (die Gretchenfrage): »It is always tricky, the question whether to read an author’s work in light of his life or not« (Sie ist immer heikel, die Frage, ob man das Werk eines Autors vor dem Hintergrund seines Lebens lesen sollte oder nicht).
Der Literaturnobelpreis ist wie die anderen Nobelpreise in diesem Jahr mit zwölf Millionen Schwedischen Kronen und damit einer Million Kronen mehr als in den Vorjahren dotiert. Umgerechnet entspricht das Preisgeld mehr als einer Million Euro. Zum Abschluss der Woche wird am Freitag verkündet, wer den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält. (dpa/jW)
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