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Florian Günther

Film noir

Lesbar zu sein ist der programmatische Anspruch der Literaturzeitschrift Drecksack. Jetzt ist sie auch schaubar: »Der Drecksack bin ich« heißt ein Dokfilm über Florian Günther (Foto) von Marcel Schreiter und M. ­Kruppe, der am 11. September in der Berliner Brotfabrik Premiere feiert. Denn Günther ist der Drecksack: Gründer, Herausgeber, Chefredakteur. Seit 2010 bis heute. Schon in Ausgabe zwei schrieben Schwergewichte wie Franz Dobler und Hermann Peter Piwitt, später kamen andere dazu, Peter Wawerzinek etwa oder Jürgen Roth. Nicht zufällig kennt man manche Namen aus junge Welt, ist Günther doch auch eine literarische Institution dieser Zeitung, als regelmäßiger Beiträger seit über zehn Jahren. Aber (Szene-)Prominenz war nie ein Kriterium für den Drecksack, sondern literarischer Gehalt. Legendär sind das Dossier zum Tod von Carl Weissner, dem großen Übersetzer und Popularisierer des US-Undergrounds, sowie Sondernummern etwa zu Jörg Fauser und Charles Bukowski.

Die könnten so was wie die Hausgötter des Blattes sein, wäre es nicht so nah an der Materie wie sie, also materialistisch. Als alter Kumpel eines Bert Papenfuß hat Günther nichts gegen Spiele mit Sprache und Form, aber zugänglich muss es sein, qua Gehalt. Der Drecksack ist, wie er heißt, nah an denen ganz unten, den Aussätzigen, Ausgestoßenen, Nichtgewollten. Er druckt ­Storys vom verschütteten Leben, Aufzeichnungen von Außenseitern, Gedichte vom Kaputt-sein in der City, von Nachtschichten und versoffenen Tagen, Helden außer Betrieb.

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Die Zeitschrift ist Günthers Lebenswerk und zugleich mehr und weniger als das. 21 Gedichtbände verzeichnet die Deutsche Nationalbibliothek von ihm seit 1993, wahrscheinlich sind es mehr. Die ewigen Bukowski-Vergleiche sind nicht falsch, aber fast schon unfair, schließlich hat der gelernte Drucker mit fast einer Jugend in der DDR sich alles selbst beigebracht. Günthers Prosagedichte sind oft noch konzentrierter, noch cineastischer, noch besser abgehangen. Film noir. Jürgen Roth nennt ihn den »Clint Eastwood der deutschen Gegenwartsliteratur« und meint damit nicht »Dirty Harry«, sondern »The Mule«. Der Film kann nur sehenswert sein. (pm)

→ »Der Drecksack bin ich – ­Florian Günther im Portrait«, ­Regie: Marcel Schreiter/M. Kruppe, BRD 2026, 86 Min., Brotfabrik Berlin, Premiere in Anwesenheit von Florian Günther und der Regisseure: 11.9., 20.30 Uhr; erneute Vorstellung 12.9., 19 Uhr, 7 Euro (erm.)/9 Euro

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.09.2026, Seite 10, Feuilleton

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