Nobelhotel trennt sich vom Mises-Verein
München. Die ultrakapitalistische Ideologiefabrik namens Ludwig-von-Mises-Institut soll am 17. Oktober zum letzten Mal ihre Jahreskonferenz im Hotel »Bayerischer Hof« in München abhalten dürfen. Das haben die Hotelverantwortlichen nach »erneuter und umfassender« Prüfung entschieden, wie die Abendzeitung am Donnerstag berichtete. Demnach stelle der Verein, getarnt als wissenschaftliche Expertise, den Staat und »die Demokratie« in Frage. Die Nobeladresse stehe für »Weltoffenheit, Toleranz, Vielfalt sowie die Grundwerte einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft«, teilte das Hotel auf Anfrage der Zeitung mit. Die »Vielzahl der inzwischen dokumentierten öffentlichen Äußerungen« von Vertretern des Instituts lasse eine weitere Zusammenarbeit »nicht mehr vertretbar erscheinen«. 2025 hatte die AfD-Fraktion im Landtag eine Podiumsdiskussion zum Staatsabbau von Argentiniens Präsident Javier Milei und dem faschistischen US-Oligarchen Elon Musk veranstaltet. Daran hatte Thorsten Polleit, Vorstandsmitglied des Vereins, teilgenommen. Laut Abendzeitung soll Polleit außerdem im Juni zu einem Vortrag der AfD‑Bundestagsfraktion eingeladen worden sein.
Der 2012 gegründete »Ludwig-von-Mises-Institut Deutschland« e. V. wurde lange Zeit vom 2021 gestorbenen Oligarchen August von Finck junior finanziert und konnte seit mehr als zehn Jahren seine Konferenz im »Bayerischen Hof« abhalten. Namenspatron ist der Wirtschaftstheoretiker Ludwig von Mises (1881–1973), der der Österreichischen Schule angehörte und unter anderem die Extreme des Konjunkturzyklus im Kapitalismus in der Geldschöpfung durch Banken begründet sah. Einer seiner bekanntesten Schüler war der marktradikale Theoretiker Friedrich A. Hayek. (jW)
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