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»Aufstände der Allmende«

Warum machen Sie gegen Rechenzentren mobil?

Schweiz: KI nützt nur den Techoligarchen. Die Infrastruktur dafür sollte nicht ausgebaut werden, fordert Sara Moser

Interview: Samuel Bosch
Foto: Fred Greaves/REUTERS
Protest gegen künstliche Intelligenz (Berkeley, 18.7.2026)

Die Gruppe »Aufstände der Allmende« hat in der Schweiz ein Protestcamp in der Nähe von Schaffhausen errichtet. Das Motto lautet »KI-kurzschließen«. Wogegen richtet sich Ihr Protest genau?

Die Schweiz steigt momentan voll in den weltweiten KI-Hype ein und lässt Datenzentren bauen. Diese sind Energiefresser und sehr durstig. Schon jetzt ist die Schweiz der Ort in Europa mit der höchsten Dichte an Datenzentren pro Kopf. Die Serverfarm in Beringen bei Schaffhausen, auf die sich unser Widerstand fokussiert, wird den Stromverbrauch des Kantons Schaffhausen verdoppeln. Diese Projekte sind somit Brandbeschleuniger angesichts der Klimakrise. Das KI-Projekt steht auch im Zentrum von vielen anderen Krisen. Von KI-gesteuerten Waffen, die beim Genozid in Gaza zum Einsatz kommen, über den kolonialen Ressourcenraubbau seltener Erden im globalen Süden bis zum Diebstahl von Daten, um große KI-Modelle zu trainieren.

Sie unterscheiden KI-Systeme in »Rocket-KI« und »Velo-KI«. Was hat es damit auf sich?

Wir schauen differenziert auf KI. Es wird momentan als Label genutzt, um eine große Bandbreite von Technologien zu bezeichnen. Grundsätzlich sind es Modelle, die maschinelles Lernen nutzen, um statistische Zusammenhänge zu reproduzieren. Einige dieser Technologien existieren schon seit Jahrzehnten und haben durchaus auch sinnvolle Verwendungen, beispielsweise in der Medizin, das nennen wir Velo-KI (schweizerisch für Fahrrad, jW). Unser Widerstand richtet sich insbesondere gegen die KI-Modelle der Techoligarchen, welche undifferenziert riesige Datenmengen schlucken und als kapitalistische sowie koloniale Werkzeuge eingesetzt werden.

Wem sollte die KI gehören?

Nicht den Techoligarchen. Die Frage, wem KI gehören soll, hängt eng mit der Frage zusammen, wie wir unsere Gesellschaft grundsätzlich organisieren. Wir setzen uns für einen Bruch mit den aktuellen kolonialen und kapitalistischen Machtstrukturen ein. Nur wenn diese aufgelöst werden, ist eine ethische KI möglich.

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Die Gruppe, die das Camp veranstaltet, nennt sich »Aufstände der Allmende«. Was hat das mit KI zu tun?

Die »Allmende« ist ein Konzept, das vor dem Kapitalismus entstand. Die Allmende war beispielsweise ein gemeinsames Feld, welches sich die Bäuerinnen und Bauern eines Dorfs teilten. Noch heute finden wir in der Schweiz die Spuren dieser anderen Art der Bewirtschaftung. Zum Beispiel Orte mit dem Namen »Allmende«. Das KI-Projekt versucht, Ressourcen wie Wissen und seltene Erden weiter zu privatisieren. Wir sind der Aufstand für eine Welt der Allmenden – eine Welt, jenseits von Profitlogik hin zu solidarischem und sorgfältigem Umgang mit Ressourcen.

Sie sprechen die ganze Zeit vom »KI-Projekt«. Warum nennen Sie das so?

Hinter dem KI-Projekt stehen die reichsten Männer dieser Welt: die Techoligarchen. Wir verstehen das KI-Projekt auch als einen Versuch dieser Milliardäre, ihre Macht auszuweiten und ihren Profit zu vergrößern – auf Kosten von uns allen. KI steht außerdem im Zentrum der halbreligiösen, halbpolitischen Ideologie der Techoligarchen: Alles soll für die Kreation einer noch besseren KI geopfert werden, denn die KI wird scheinbar alles lösen können. Das Wasser wird knapp aufgrund von Datenzentren? Kein Problem, die KI wird bald Wasser erfinden können. Der Planet brennt? Kein Ding, bald können wir auf dem Mars leben oder uns selbst in eine KI hochladen. Die Techoligarchen sind Verräter dieser Erde, wie Naomi Klein und Astra Taylor schreiben. Die reichsten Männer dieser Welt planen, die Lebensgrundlagen für einen KI-Gott sowie ihren Profit und ihre Macht zu opfern.

Warum lehnen Sie den Begriff künstliche Intelligenz ab? Und wie entsteht diese überhaupt?

Erstens ist KI nicht intelligent. Zweitens macht der Begriff »künstliche Intelligenz« den Eindruck, dass die KI etwas in einer Cloud im Himmel ist. Es ist aber etwas sehr Materielles und hinterlässt tiefe Spuren. Es verbraucht unglaublich viel Wasser, Strom, Ressourcen und Arbeit. Und es ist ein großer Aufwand, es zu erschaffen. Deshalb lehnen wir diesen Begriff ab.

Was möchten Sie konkret erreichen?

Wir sind gerade dabei, den lokalen Widerstand aufzubauen und uns aber gleichzeitig auch international zu vernetzen. KI ist wirklich eine der zentralen gesellschaftlichen und politischen Fragen unserer Zeit. Die Klimakrise, Genozid, feministische Fragen, Faschismus, die Techoligarchen, Datengerechtigkeit und so weiter sind alle stark mit dem Thema verbunden.

Gerade sind wir dabei, uns zu vernetzen und die Zusammenhänge aufzuzeigen. Den Datenzentren möchten wir uns entgegenstellen, weil sie der spezifische, konkrete Ort sind, an dem wir etwas verändern können. Gemeinsam können wir den Techoligarchen den Stecker ziehen.

Sara Moser (Name geändert) ist Studentin, aktiv bei der antikapitalistischen Gruppe »Aufstände der Allmende« und hat das »KI-kurzschließen-Camp« nahe Schaffhausen mitorganisiert.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.07.2026, Seite 2, Ausland

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