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Bildreportage

Douala auf zwei Rädern

Keine Perspektive: Als Motorradtaxifahrer in der kamerunischen Wirtschaftsmetropole überleben

Von Amindeh Blaise Atabong und Zohra Bensemra
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Sie teilen das gleiche Schicksal: Acceline unterhält sich vor ihrer Werkstatt mit ihrer Kollegin Carine
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Ohne Passagier: Ngouana testet ihr Motorrad, nachdem sie es repariert hat
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Ngouana legt in ihrer kleinen Werkstatt selbst Hand an
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Eine Fahrt kostet ab 18 US-Cent aufwärts: Kegne fährt zwei Passagiere durch Douala
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Eine kleine Pause vom anstrengenden Alltag: Kegne stattet Ngouanas Werkstatt einen Besuch ab
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Benskin-Fahrer, die sich keine Miete leisten können, schlafen auf ihren Motorrädern an einer Tankstelle
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»Alle sind erschöpft. Wir wollen Veränderungen, aber die Menschen haben Angst, ihre Meinung zu sagen«, erzählt Mohamed resigniert
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Mohamed wartet auf Kundschaft: Im Hintergrund thront Langzeitpräsident Paul Biya auf einem Wahlplakat

Zakiyaou Mohamed ist nach einer weiteren unruhigen Nacht auf seinem Motorrad in Kameruns Wirtschaftsmetropole Douala erwacht und streckt seine Glieder unter dem Vordach einer Tankstelle, das ihm Schutz vor dem Regen geboten hat. Der 33jährige aus dem Norden Kameruns verbringt seine Nächte hier, weil er sich kein Zimmer leisten kann. Er ist einer von Tausenden Motorradtaxi- oder »Benskin«-Fahrern in der Hafenstadt, die ihren Lebensunterhalt mit Fahrpreisen bestreiten, die bei 100 CFA-Francs, also etwa 18 US-Cent, beginnen. Der Begriff »Benskin« hat zwei Bedeutungen: Er bezieht sich zum einen darauf, wie die Fahrer ihren Körper beugen, um auf ihre Motorräder zu steigen und sie zu lenken, und zum anderen darauf, wie sie sich durch die gewaltigen Staus von Douala schlängeln.

Ihre Notlage spiegelt ein größeres, strukturelles Problem wider: den Mangel an Perspektiven unter Präsident Paul Biya, der das zentralafrikanische Land seit mehr als vier Jahrzehnten regiert. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 3,5 Prozent, doch unter jungen Menschen ist diese Zahl deutlich höher – nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration liegt sie im Alter zwischen 15 und 35 Jahren bei 39,3 Prozent.

Die 36jährige Acceline Ngouana hat einst als Krankenschwester in der zentral gelegenen Stadt Monatélé gearbeitet, diesen Beruf jedoch aufgegeben – ebenso wie das magere Monatsgehalt von 10.000 CFA-Francs (etwa 18 US-Dollar). Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern verdient heute mehr, indem sie Fahrgäste durch Douala befördert und eine kleine Autowerkstatt betreibt. Sie träumt davon, die Werkstatt – ein winziges Loch in der Wand, vollgestopft mit Radkappen und Ölkanistern – moderner zu gestalten, doch derzeit fehlen ihr die Mittel dazu. »Ich arbeite jeden Tag«, sagte sie mit einem ironischen Lächeln. »In der Hölle gibt es keine Ruhe.«

Eine weitere Benskin-Fahrerin, die 39jährige Carine Alphonsine Kegne, beschreibt das Leben in Kamerun ebenfalls als höllisch, da ihr Leben seit ihrer frühen Jugend von Entbehrungen geprägt ist. Nach dem Tod ihrer Mutter brach sie die Sekundarschule ab, um sich um ihre Geschwister zu kümmern, was sie von ihrem Traum, professionelle Fußballschiedsrichterin zu werden, abhielt. Obwohl es ihr schließlich gelang, einige lokale Spiele zu leiten – und sie die Medaillen und Pokale hat, die das belegen –, gab es für sie keine Möglichkeit, diese Leidenschaft in einen nachhaltigen Beruf zu verwandeln.

Eines Tages lieh ihr ein Freund sein Motorrad, damit sie nach Hause fahren konnte, und jemand hielt sie für eine Benskin-Fahrerin und bat um eine Mitfahrgelegenheit. Sie zögerte, willigte aber ein, und als sie das Fahrgeld erhielt, wurde ihr klar, dass sie einen neuen Weg gefunden hatte, um zu überleben. Heute fährt die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern täglich, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und fragt sich, wie ihre Kinder sich einmal durchschlagen sollen, wenn sich die Bedingungen nicht verbessern. »Ich möchte einfach genug Geld sparen, um Kamerun zu verlassen und einen Neuanfang zu wagen.«

ÜS Infobox: Autor Kanal

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.05.2026, Seite 4, Wochenendbeilage

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