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Aus: Ausgabe vom 13.04.2026, Seite 9 / Inland
Rosa-Luxemburg-Preis

»Aufgeben? Nein, das ist unmöglich.«

Die kubanische Ärztin und Internationalistin Aleida Guevara wurde mit dem Rosa-Luxemburg-Preis ausgezeichnet
Von Hagen Bonn
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Das Kino Babylon Berlin wurde am Sonnabend zur antiimperialistischen Tribüne: Übergabe des Rosa-Luxemburg-Preises an Aleida Guevara

»Es gibt kein Übel, das hundert Jahre dauert, noch einen Körper, der es ertragen kann« – Die Revolution auf Kuba behauptet sich seit 67 Jahren gegen das imperiale Übel aus Washington und das zitierte kubanische Sprichwort verweist nüchtern auf die aktuelle Situation des Landes. Deswegen gilt es heute Kuba zu würdigen, Kuba zu feiern, die Solidarität mit Kuba zu stärken. Die über sechshundert Besucher im großen Saal des Berliner Kino Babylon konnten am Sonnabend nachmittag starke Vorträge und ein interessantes Podiumsgespräch verfolgen, Müdigkeit wollte nicht aufkommen. Die »Solidaritätskonferenz zur Lage in Kuba« – nunmehr moderiert von der Sängerin und Schauspielerin Gina Pietsch näherte sich ihrem Höhepunkt: der Verleihung des Rosa-Luxemburg-Preises an die kubanische Kinderärztin Aleida Guevara für ihr praktisches internationalistisches Wirken und stellvertretend für das widerständige Volk Kubas.

Doch zuerst erinnerte Melodie & Rhythmus-Chefredakteurin Susann Witt-Stahl an einen, »der heute fehlt«: den großen Rolf Becker, erster Träger des Rosa-Luxemburg-Preises im vergangenen Jahr, der im Dezember 2025 verstarb. Der Schauspieler, Gewerkschafter und Kommunist war vielen auch wegen seines Engagements für Kuba bekannt. Die »Befreiung der Kunst vom Warencharakter« war für ihn eine der sichtbarsten sozialistischen Errungenschaften des Landes.

Den Lebensweg Aleida Guevaras, die gleich ihrem Vater Ernesto »Che« Guevara Medizin studiert hatte, zeichnete Enrique Ubieta nach. Der Direktor der kubanischen Kulturzeitschrift Revolución y Cultura, begann mit einer Episode, die »typisch« sei: Aleida kam in ein Dorf, um – das war ihre Arbeit – Kinder medizinisch zu versorgen. Aber zuerst stellte sie für die Umstehenden klar, dass dies kein Pressetermin sei. Sie wolle nicht, dass darüber berichtet werde. Die eroberten »Freiheiten in Kuba müssen verteidigt werden«, mahnte Ubieta an.

Der Schweizer Franco Cavalli, Arzt und Vizevorsitzender der Solidaritätsorganisation Medicuba, beschrieb als Fachmann, welche Herkulesarbeit das kleine Land von Anbeginn auf dem Gebiet der medizinischen Versorgung geleistet habe. Kuba sei in den 80er Jahren trotz der auch damals schon bestehenden Blockade ein »glückliches Land« gewesen. Sein Ruf nach Solidarität mit Kuba wurde durch Sprechchöre aus dem Publikum mitgetragen.

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Belly oft the Beast, eine Medienplattform aus kubanischen und US-amerikanischen Journalisten und Filmemachern, präsentierte einen Ausschnitt aus einem Film mit Aleida Guevara. Wir erleben sie und ihre Ansichten. Das Feuer, die Klarheit in den Gedanken: Hitze, Stromausfälle, und die Gringos lauern über Kuba. Aber der Kampf des Volkes ist alternativlos: »Was sollen wir tun? Aufgeben? Nein, das ist unmöglich.«

Die Übergabe des Preises – eine vom Bildhauer Rolf Biebl geschaffene Rosa-Luxemburg-Statuette – an Guevara wurde mit minutenlangem Applaus und Sprechchören im Saal gefeiert. Dann erhob die Preisträgerin ihre Stimme, doch nicht um zu sprechen. Nun feierte sie die Veranstaltung, die ihr zu Ehren und zu Ehren ihres Volkes abgehalten wurde, und sang »Gracias a la vida« (Dank an das Leben). Das Lied der chilenischen Künstlerin Violeta Parra erfüllte den Saal und, das darf nicht verschwiegen werden, die Herzen aller darin.

Die Verleihung des Rosa-Luxemburg-Preises der Tageszeitung junge Welt und des Kulturmagazins Melodie & Rhythmus an Aleida Guevara und das tapfere kubanische Volk klang zum Schluss mit Gitarrenkunst und kräftiger Stimme aus: Der wunderbare Liedermacher Nicolás Miquea ließ nichts offen, als er anklagend sang »Wenn das Imperium von Frieden redet …«.

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