Zum Inhalt der Seite

Schon wieder kommt ein »Sparpaket«

Waigel: Entscheidung über Schicksal der Koalition

Der Streit um Haushalt und Steuern wird zu einer immer schwereren Belastungsprobe für die Bonner Koalition. Während führende FDP-Politiker für den Fall von Steuererhöhungen einen Ausstieg aus dem Bündnis androhten, kündigte Bundesfinanzminister Theodor Waigel (CSU) mit Blick auf den Etat 1998 am Sonntag weitere drastische Sparmaßnahmen an. Es müsse in allen Ressorts »unglaublich« gespart werden, sagte Waigel dem Nachrichtensender n-tv. Die Koalition werde in den nächsten Tagen zudem Leistungsgesetze und Subventionen überprüfen. Es dürfe »kein Tabu« geben. Weitere Mittel erwartet der Minister aus der Privatisierung von Bundesvermögen. Steuererhöhungen für dieses Jahr seien nicht geplant. Er könne sie aber für 1998 nicht ausschließen, sagte Waigel. Trotz weiter strittiger Positionen zeigten sich Koalitionspolitiker überzeugt, daß das Regierungsbündnis hält.

Waigel zufolge entscheidet sich das Schicksal der Koalition bis Anfang Juli. In Erlangen forderte der CSU- Chef die FDP am Samstag nachdrücklich auf, sich Lösungen nicht zu verweigern. Die Liberalen könnten nicht nur für Steuersenkungen sein, »und für Defizite ist Theo Waigel verantwortlich«. FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle und der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff betonten, die Liberalen würden Steuererhöhungen 1998 nicht zustimmen. Kanzleramtsminister Friedrich Bohl wies einen Bericht der Welt am Sonntag zurück, wonach das Kanzleramt die Lage der Koalition als »extrem ernst« einstuft.

Anzeige

AFP/jW

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 09.06.1997, Seite 0, Inland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!