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Massaker von Wolhynien

Zwist um Geschichte zwischen Polen und Ukraine

Foto: Tomasz Gzell/pap/epa/dpa
Gedenkmarsch für die Opfer der faschistischen Massaker von Wolhynien (Warschau, 11.7.2013)

Warschau. Nach Äußerungen des ukrainischen Außenministers in bezug auf in den 1940er Jahren von ukrainischen Nationalisten an Polen verübten Massakern von Wolhynien hat Polens Regierungschef Donald Tusk die »Wahrheit« und eine Exhumierung der Opfer gefordert. »Die Wahrheit, Exhumierung und eine verlässliche Beurteilung der Geschehnisse während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sind unverzichtbar«, sagte Tusk am Freitag. »Dies sind notwendige Elemente, um gute polnisch-ukrainische Beziehungen aufzubauen.«

Die Uneinigkeit über die von 1943 bis 1945 begangenen Massaker von Wolhynien hat zu diplomatischen Streitigkeiten zwischen Kiew und Warschau geführt, die hinsichtlich der russischen Intervention in der Ukraine Verbündete sind. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hatte für eine Kontroverse gesorgt, als er am Mittwoch bei einem Besuch in Polen nach der Exhumierung von Opfern der Massaker gefragt wurde. Er gab an, die Nachbarländer sollten die »Geschichte den Historikern überlassen und gemeinsam die Zukunft gestalten«. Als Tusk, der studierter Historiker ist, am Freitag auf einer Pressekonferenz nach Kulebas Äußerungen gefragt wurde, brachte er seine »eindeutig negative« Bewertung zum Ausdruck.

Bei den Massakern von Wolhynien töteten Mitglieder der faschistischen und lange an der Seite der Nazis kämpfenden Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) bis zu 100.000 Polen in der Region Wolhynien in der heutigen Nordwestukraine. Bis 1939 hatte das mehrheitlich von Ukrainern bewohnte Wolhynien zu Polen gehört. Gemäß dem später von Nazideutschland gebrochenen Stillhalteabkommen mit der UdSSR wurden die Gebiete dann letzterer zugeschlagen.

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Im Juli hatte der polnische Vizeregierungschef Władysław Kosiniak-Kamysz erklärt, die Ukraine werde nicht in die EU aufgenommen, bis der Streit um die Geschichte gelöst sei. Tusk sagte nun, die Ukraine »muss auch verstehen, dass der Beitritt zur Europäischen Union auch der Beitritt in den Bereich der Standards der politischen Kultur und historischen Kultur ist«. Solange es auf der ukrainischen Seite »keinen Respekt für diese Standards« gebe, »wird die Ukraine sicherlich nicht Teil der europäischen Familie werden«, fuhr der polnische Ministerpräsident fort.

Trotz der Spannungen bleibe Polen aber der Ukraine in der Konfrontation mit Russland verbunden. »Wir tun alles, um sicherzustellen, dass die Ukraine diesen Krieg nicht verliert«, sagte Tusk. Daran werde sich nichts ändern. (AFP/jW)

junge Welt

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Erschienen am 31.08.2024, Ausland

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