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Klimawandel

CO2-Werte steigen in rasantem Tempo

Corvallis. Die CO2-Werte steigen zur Zeit zehnmal schneller als je zuvor in den vergangenen 50.000 Jahren. Selbst während der abrupten Klimaumschwünge der Eiszeit nahmen die Kohlendioxidwerte nicht so rasant und stark zu wie heute. Das ergeben Untersuchungen antarktischer Eisbohrkerne. Kath­leen Wendt und ihre Kollegen von der Oregon State University analysierten die Isotope und Gasgehalte in 249 verschiedenen Schichten des 3,2 Kilometer in die Tiefe reichenden Bohrkerns aus dem Zentrum des Westantarktischen Eisschilds. Es zeigte sich: Während jedes eiszeitlichen Heinrich-Ereignisses – die plötzliche Freisetzung von Eisbergen in großer Zahl – gab es einen sprunghaften Anstieg der CO2-Werte. Der größte dieser Sprünge ereignete sich vor 39.500 Jahren. Er erhöhte die atmosphärischen CO2-Werte innerhalb von nur 55 Jahren um 14 Parts per million (ppm), wie das Team ermittelte. »Diese Raten des CO2-Anstiegs sind die schnellsten im gesamten Eisbohrkernarchiv«, berichten Wendt und ihre Kollegen. »Aber trotzdem sind diese natürlichen Ereignisse noch immer zehnmal langsamer als die aktuelle Rate des anthropogenen CO2-Anstiegs.« Die Menschheit braucht gegenwärtig nur rund fünf bis sechs Jahre, um die CO2-Werte in der Atmosphäre um 14 ppm anzuheben. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.05.2024, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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  • Onlineabonnent*in Heinrich Hopfmüller aus Stadum 21. Mai 2024 um 19:02 Uhr
    Warum muss man mit ersten (Anstieg) und zweiten Ableitungen (Anstieg des Anstiegs) hantieren, wenn es direkt anschaulich auch ginge? (Beispiel: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1c/Carbon_Dioxide_400kyr.png/300px-Carbon_Dioxide_400kyr.png) Richard Nixon hat diesen Unfug vor Jahrzehnten zur Beschönigung der Lage eingeführt: »Die Zunahme der Arbeitslosigkeit hat sich verringert«. Um statistische handelt es sich bei den vorgestellten Daten auch nicht, wie Herr Hidy meint. Es sind gemessene Werte, deren zeitlicher Verlauf irgendwie interpretiert wurde. Ob das Wissen, dass die Menschheit zur Zeit die besten Steigerungsraten des atmosphärischen CO2-Gehalts in der Weltgeschichte erzielt, dem Leser viel nützt, ist die Frage. Das entscheidende Faktum, der aktuelle CO2-Gehalt der Atmosphäre, der wesentlichen Einfluss auf die Albedo der Erde hat (https://mpimet.mpg.de/kommunikation/detailansicht-news/die-albedo-der-erde-und-ihre-symmetrie), kommt unter die Räder. Angesichts der Tatsache, dass heute schon große Unglücke durch den menschengemachten Klimawandel auftreten und die Aussicht besteht, dass große Teile der Erde unbewohnbar werden, sollte sich auch die jW an der Verbreitung einschlägigen Wissens beteiligen. Ich muss zugeben, das tut sie schon ein wenig.
  • Istvan Hidy aus Stuttgart 20. Mai 2024 um 20:59 Uhr
    Der Anteil an Kohlendioxid (CO2) erscheint mit aktuell etwa 419 ppm (0,04 %, Stand Dezember 2022) im Vergleich zu den anderen Bestandteilen der Atmosphäre relativ gering. Eine Erhöhung der atmosphärischen CO2-Werte um 14 Parts per Million (ppm) innerhalb von nur 55 Jahren entspricht etwa 0,0014 % der Gesamtluftmenge der Erde und erscheint daher absolut unbedeutend. Diese Veränderungen damals geschahen auf natürliche, unerklärliche Weise. Der Artikel hingegen warnt davor, dass die Menschheit derzeit nur etwa fünf bis sechs Jahre benötigt, um die CO2-Werte in der Atmosphäre um 14 ppm zu erhöhen. Dabei wird jedoch nicht klargestellt, welcher Anteil dieses Anstiegs auf natürliche oder menschengemachte Ursachen zurückzuführen ist. Eine Schlussfolgerung zu ziehen, dass die CO2-Werte zurzeit zehnmal schneller als je zuvor in den vergangenen 50.000 Jahren steigen, mag statistisch korrekt sein, wirkt jedoch dadurch oberflächlich und unwissenschaftlich.
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