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Oscars

Der Fälscher

Die israelische Autorin Ayelet Gundar-Goshen wirft dem deutschen Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck Geschichtsfälschung vor. In 189 Minuten deutscher Geschichte sei in seinem für den Oscar nominierten Film »Werk ohne Autor« nicht eine einzige über die Verbrechen der Nazis an den Juden zu sehen, kritisiert die in Tel Aviv lebende Schriftstellerin (»Löwen wecken«) und Drehbuchautorin in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. »Ein Film, der die Kriegszeit allein unter dem Blickwinkel der Wunde darstellt, die der deutschen Bevölkerung zugefügt wurde, ohne die Wunden zu erwähnen, die die Deutschen anderen Bevölkerungsgruppen zugefügt haben, ist eine Geschichtsfälschung«, argumentiert Gundar-Goshen. »Ein junger Deutscher von siebzehn Jahren, der sich ›Werk ohne Autor‹ ansieht, könnte denken, der Zweite Weltkrieg sei ein Trauma vor allem für das deutsche Volk gewesen.« Donnersmarck hat darin den fiktiven Künstler Kurt Barnert in den Mittelpunkt gestellt, angelehnt an die Biographie Gerhard Richters. Der 87jährige Künstler ist inzwischen auf Distanz zu dem Regisseur gegangen und hat den Film als Verzerrung seines Werdegangs kritisiert. Die Oscar-Verleihung findet in der Nacht zum Montag, nach jW-Redaktionsschluss, statt. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 25.02.2019, Seite 11, Feuilleton

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