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Journalistin in Türkei nach Recherche verurteilt

Istanbul. Eine türkische Journalistin ist nach Recherchen zu den »Paradise Papers« über Briefkastenfirmen und Steueroasen wegen Beleidigung eines hochrangigen Politikers zu rund einem Jahr Haft verurteilt worden. Außerdem muss Pelin Ünker, ehemalige Wirtschaftsredakteurin bei der Tageszeitung Cumhuriyet, eine Geldstrafe von 8.600 Türkischen Lira (etwa 1.400 Euro) zahlen, wie ein Gericht in Istanbul laut Medienberichten am Dienstag entschied. Ünker soll den Richtern zufolge mit ihrer Arbeit Parlamentschef Binali Yildirim und dessen Söhne diffamiert haben. Yildirim war bis Juli 2018 Ministerpräsident der Türkei.

Als Mitglied einer internationalen Gruppe von Journalisten, die die »Paradise Papers« und damit zu mutmaßlich rechtswidrigen Geschäften mit Briefkastenfirmen in Steueroasen recherchiert hatten, war Ünker Spuren zu türkischen Firmen mit Sitz in Malta gefolgt. Einige führten zu den Söhnen von Yildirim.

Einer von Ünkers Anwälten sagte, dass die Existenz der Firmen in Malta »Gegenstand öffentlicher Kritik sei und deshalb Nachrichtenwert« gehabt habe. Ünker habe das Recht gehabt, darüber zu schreiben. Mit Hilfe der 2017 veröffentlichten Panama-Papiere wurden Finanzgeschäfte von Politikern, Prominenten und Konzernen über Briefkastenfirmen offengelegt. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.01.2019, Seite 15, Medien

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