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Hintergrund: Währungskrieg

Pünktlich zum Treffen der G-20-Finanzminister hat US-Präsident Donald Trump ein neues Feld für seinen Wirtschaftskrieg ins Visier genommen: die Währungen. Der Hintergrund: Der US-Dollar hat seit April gegenüber dem Euro und gegenüber dem chinesischen Yuan deutlich aufgewertet; für einen Dollar kriegt man aktuell nicht mehr nur, wie vor drei Monaten, 81, sondern 85 Eurocent und nicht mehr nur 6,2, sondern 6,8 Yuan. Dadurch werden Produkte aus der Euro-Zone und aus China für US-Kunden billiger, was die Importe aus der EU und aus der Volksrepublik ankurbelt – und den US-Präsidenten, den Oberbefehlshaber seines Landes im Handelskrieg, heftig erzürnt. »China, die EU und andere manipulieren ihre Währungen und Zinsen nach unten«, twitterte Trump Ende letzter Woche; »wie üblich« hätten die Vereinigten Staaten mit »ungleichen Wettbewerbsbedingungen« zu kämpfen. Finanzminister Steven Mnuchin, bereits auf dem Weg nach Buenos Aires, sekundierte seinem Chef: Man werde »sehr sorgfältig prüfen«, ob vor allem China seine »Währung manipuliert« habe, teilte er mit.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wies am Samstag am Rande des G-20-Treffens Trumps Vorwurf umstandslos zurück: Die Ursache für die Stärke des Dollar sei vielmehr in der Haushaltspolitik und in den Strafzöllen der gegenwärtigen US-Regierung zu suchen. Mnuchin ergänzte, langfristig liege ein starker Dollar ohnehin im Interesse der Vereinigten Staaten; alles sei also gar nicht so schlimm, und Vermutungen, Trump wolle mit seiner kürzlich geäußerten Kritik an der jüngsten Leitzinserhöhung der Fed die Währungspolitik der US-Notenbank beeinflussen, seien gänzlich fehl am Platz. Strategen an der Wall Street sind dennoch besorgt. Das »wirkliche Risiko« bestehe darin, dass sich der Welthandel und die Währungsbeziehungen auf breiter Front auflösten, zitierte die US-Nachrichtenagentur Bloomberg jetzt einen Währungsexperten: »Das wird kein Spaß.« Trumps Rhetorik verschiebe die ohnehin schon scharfen Auseinandersetzungen »von einem Handels- zu einem Währungskrieg«. (jk)

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.07.2018, Seite 3, Schwerpunkt

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