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Lohngleichheitsgesetz ist »zahnloser Tiger«

München. Das seit Januar geltende Entgelttransparenzgesetz zur Überprüfung der Lohngleichheit, insbesondere zwischen Männern und Frauen, wird offenbar nur selten genutzt. Aus einer von der Süddeutschen Zeitung am vergangenen Wochenende veröffentlichten Umfrage bei etwa 20 großen Unternehmen geht hervor, dass die Zahl der Gehaltsanfragen bei fast allen zwischen null und 50 liegt. Dabei zählen die Konzerne teilweise mehr als 100.000 Beschäftigte. Bei der Deutschen Post, Henkel, Bosch, Audi, Continental und der Deutschen Bahn gab es beispielsweise weniger als 20 Anfragen. RWE verzeichnete genau eine Anfrage einer Frau, bei Aldi-Süd gab es gar keine.

Nach dem neuen Gesetz können Beschäftigte in Betrieben mit mindestens 200 Beschäftigten Informationen darüber verlangen, was Kollegen mit vergleichbaren Tätigkeiten verdienen. Allerdings kennen es viele offenbar nicht oder sie befürchten bei solchen Anfragen Nachteile. Ute Klammer, Direktorin des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, sagte der SZ: »Dieses Gesetz ist ein völlig zahnloser Tiger«. (AFP/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.06.2018, Seite 15, Feminismus

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