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Zum Tod von Simone Veil

Nachruf: Vorkämpferin für Frauenrecht

Simone Veil, die vergangenen Freitag 89jährig verstorben ist (siehe jW vom 3.7.), war geachtet sowohl im linken als auch im konservativen politischen Lager Frankreichs. Das beruhte nicht nur auf ihrer persönlichen Geschichte – als jüdische Französin hatte sie in deutschen Konzentrationslagern gelitten, ihre Eltern und ihr Bruder wurden ermordet. Respekt brachte man ihr insbesondere wegen ihrer Integrität und ihres Engagements als Politikerin und Kämpferin für die Idee der europäischen Einigung entgegen.

In Frankreich war Veil, die am 13. Juli 90 Jahre alt geworden wäre, die zweite Frau überhaupt, die einer Regierung angehörte. Als Gesundheitsministerin erstritt sie 1974 die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Bereits zuvor hatte sie sich für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen über den eigenen Körper engagiert. Für ihre Gesetzesinitiative wurde Veil heftig angefeindet. »Ich hatte nicht den Hass erwartet, den ich wecken würde«, erinnerte sie sich später. »Man hat auf meine Haustür ›Veil = Hitler‹ geschrieben.« Von 1979 bis 1982 war sie Präsidentin des Europaparlaments und die erste Frau in diesem Amt. Später führte sie die Fraktion der Liberalen im EU-Parlament.

Geboren wurde Veil 1927 als Simone Jacob im südfranzösischen Nizza, ihr Vater war Architekt. Die Familie wurde 1944 in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Nur Simone und ihre beiden Schwestern überlebten. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sie als Juristin Karriere, bevor sie in die Politik wechselte. Die dreifache Mutter hatte in konservativen und liberalen Regierungen mehrere Ministerämter inne, vertrat in gesellschaftspolitischen Fragen aber auch immer wieder linke Positionen. Andererseits unterstützte sie 2007 die Kandidatur des Konservativ-Neoliberalen Nicolas Sarkozy zur Präsidentschaftswahl.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma würdigte in einer Erklärung den vehementen Einsatz Veils für die Belange der von den Nazis verfolgten Minderheiten. (jW, mit Agenturen)

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.07.2017, Seite 15, Feminismus

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