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Fenster zur Arbeiterklasse

Als erster rumänischer Schriftsteller wird Norman Manea (80) mit dem FIL-Preis für Literatur in romanischer Sprache geehrt. Sein »enormes Werk« ließe sich »nicht über die traditionellen Genres definiere«, teilte die Jury zur Begründung mit. Die mit 150.000 US-Dollar dotierte Ehrung gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für lateinamerikanische Literatur und wird im November auf der Buchmesse im mexikanischen Guadalajara verliehen. Manea bedankte sich bei einer Videokonferenz mit der Erklärung, sein Werk erzähle »vom Leiden als einer menschlichen Erfahrung. Das Leid ist Teil der Weltgeschichte.«

Der 1936 in der Bukowina geborene Manea wurde als Kind in ein KZ im Transnistrien deportiert, das die Großeltern nicht überlebten. Nach dem Krieg wirkte er als Wasserbauingenieur am sozialistischen »Projekt des universellen Glücks« mit, begann in den 70ern, über Bedrängungen des einzelnen zu schreiben. »Die Rückkehr des Hooligan« hieß seine phantastische Autobiographie. Erzählungen wie »Fenster zur Arbeiterklasse« folgten. 1981 beklagte er schwelenden Nationalismus und Antisemitismus, wurde zur unerwünschten Person, begab sich 1986 mit seiner Frau Cella über Westberlin ins Exil nach New York. Seine Werke wurden in über 30 Sprachen übersetzt. 2006 wurde Manea Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, in deren Zeitschrift Sinn und Form er regelmäßig publiziert. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.08.2016, Seite 11, Feuilleton

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