Zum Inhalt der Seite

Möpse, Mopps und Mobber

Unterschätze nie die Macht dummer Leute, die einer Meinung sind«, schrieb Kurt Tucholsky; das gilt umso mehr, wenn diese Leute so etwas wie eine »Meinung«, also eine eigene Anschauung von der Welt, gar nicht haben, sondern sich nur anschließen, nachplappern, nachzischeln, nachhetzen, nachbrüllen. Auch daran erkennt man das Wesen eines Mobs: dass seine Mitglieder zu reflektieren weder willens noch in der Lage sind, sondern dass sie notorisch stumpfen Reflexen genauso folgen wie ihren Führern auch.

Das einzig unfreiwillig Komische am Mob ist sprachlicher Natur; wie es den Mob gibt, so gibt es auch den Mops, jenen Modeköter, der sich gerade großer Beliebtheit erfreut. Ob es am stets eingedötschten Antlitz des Mopses liegt oder schlicht daran, dass dieser Köter à la mode kotet?

In Germanien liegt gerade viel Kot in der Luft und auf der Straße, abgesondert vom Mob wie vom Mops. Für alle Freunde des wahrhaftigen Wortes gibt es aber auch noch den Mopp mit Doppel-p, jenes nutzbringende Gerät, dessen Plural Mopps genannt wird und mit dem man Überflüssiges und Unappetitliches fortwedeln kann, ob es sich dabei um die Daseinsausdrücke des sich mopsenden Mobs oder um die des Mopses handelt. Gegen Möpse und Mobs helfen Mopps, man muss nur Gebrauch von ihnen machen.

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 16.03.2016, Seite 11, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!