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Erinnerung an deutschen Boxmeister

Berlin. Am kommenden Freitag wird Stefanie Bart ihren Roman »Deutscher Meister« in Berlin vorstellen. Er handelt von Johann Wilhelm Trollmann, der während der Weimarer Republik zu den beliebtesten Boxern in Deutschland gehörte. Als Sinto war er jedoch immer wieder rassistischen Diskriminierungen durch Boxverbandsfunktionäre und Journalisten ausgesetzt. Ihren Höhepunkt erreichte die Kampagne am 9. Juni 1933, als Trollmann in Berlin gegen Adolf Witt um die Meisterschaft im Halbschwergewicht kämpfte. Obwohl er nach der sechsten Runde nach Punkten führte, befahl NSDAP-Mitglied und Verbandsfunktionär Georg Radamm der Jury, dem »Zigeuner« nicht den Meistertitel zu verleihen. Erst nach lautstarken Protesten aus dem Publikum wurde Trollmann der Titel doch zuerkannt. Der Boxverband entschied aber später, den Kampf nicht zu werten und begründete dies mit dem »armseligen Verhalten« Trollmanns, der bei der Übergabe des Titels Freudentränen geweint hatte. Bei seinem letzten großen Kampf 1933 erschien er aus Protest gegen die rassistischen Schikanen mit blondgefärbten Haaren und weiß gepuderter Haut im Ring. Ohne sich zu wehren, ließ er sich über fünf Runden blutig prügeln. 1941 wurde er im KZ Neuengamme interniert, am 9. April 1943 dort ermordet. Erst seit 2003 wird Trollmann vom Boxverband wieder offiziell als Deutscher Meister geführt. (bern)

21. November 2014, 19.30 Uhr, Johann-Trollmann-Boxcamp, Bergmannstraße 28, 10961 Berlin

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.11.2014, Seite 15, Antifaschismus

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