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Chile: Sektenarzt soll ins Gefängnis

Santiago de Chile. Der ehemalige Sektenarzt der »Colonia Dignidad«, Hartmut Hopp, soll seine Strafe auf Antrag der chilenischen Justiz in Deutschland verbüßen. Hopp war in Chile wegen Beihilfe zum Kindesmißbrauch zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, hatte sich aber nach Deutschland abgesetzt. Ein Auslieferungsantrag scheiterte, weil Deutsche nicht ins Ausland ausgeliefert werden dürfen. Der Oberste Gerichtshof Chiles beschloß nun einstimmig, die Haftvollstreckung in Deutschland zu beantragen. »Grundsätzlich ist das möglich«, sagte ein Sprecher der Krefelder Staatsanwaltschaft am Montag. Es werde geprüft, ob das Urteil bestimmten rechtlichen Mindeststandards entspricht. Hopps Verteidigung werde sicherlich »eine Vielzahl von Einwendungen« vorbringen. Zudem müsse auch die Bundesregierung der Haftvollstreckung in Deutschland zustimmen.

Der in Krefeld lebende Mediziner Hopp galt als rechte Hand des 2010 verstorbenen Sektenführers Paul Schäfer. In dessen »Colonia Dignidad«, etwa 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile, wurden während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet politische Häftlinge gefoltert. (dpa/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 08.07.2014, Seite 6, Ausland

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